Toolbar-Menü

Allergieauslösendes Chrom (VI) in Lederprodukten?

Chrom(III)-Gerbung versus vegetabile ­Gerbung

Chrom(III)-Gerbung versus vegetabile ­Gerbung

Leder kann auf vielfältige Weise gegerbt werden. Beim Gerbprozess werden die Gerbstoffe von der vorbereiteten Tierhaut aufgenommen und verwandeln diese in Leder.

Die Gerbung von Leder mit Pflanzenteilen ist kulturhistorisch seit rund 5.000 Jahren bekannt und das älteste Verfahren zur Ledergerbung. Die bei der Gerbung aktiven pflanzlichen Gerbstoffe, sogenannte Tannine, werden von Pflanzen synthetisiert und gespeichert, um Fraßfeinde abzuwehren. Heute werden pflanzliche Gerbstoffe aus Rinden, Wurzeln oder Blättern technisch extrahiert und zu „Brühen“ angesetzt. Rohe Tierhäute werden vorbereitet und in Fässern oder riesigen Walkmaschinen zusammen mit dieser Brühe eingebracht. Die anschließende pflanzliche Gerbung dauert über Wochen. Danach erhält man ein festes Leder, das weiter konfektioniert werden muss.

Als schnelle und kostengünstige Variante hat sich seit langem die Gerbung mit Chrom(III)-Verbindungen etabliert. Dabei vernetzen die hier verwendeten Gerbstoffe die Kollagenfasern der Haut flexibel, sodass das Leder beim Trocknen nicht verhärtet. In vielen weiteren Schritten werden hochwertige Leder in verschiedenen Materialstärken und Farben mit jeweils gewünschten Oberflächeneigenschaften und „Griff“ hergestellt:

Bei der Chromgerbung wird das Leder zunächst sauer eingelegt und mit Neutralsalz behandelt. Durch das Sauerstellen der Tierhaut können Mineralsalze die Gewebestrukturen anschließend gut durchdringen. Zur Gerbung wird in der Regel Chrom(III)-sulfat verwendet, das in Lösung „polymere Cluster“ bildet, die eine Vernetzung von Kollagenuntereinheiten der noch rohen Haut bewirken. Der Zusatz von Essigsäure verhindert die Bildung von langen Polychrom(III)-Ketten. Außerdem kann so der pH-Wert des Bades leicht erhöht werden, wodurch die Reaktivität des Kollagens gesteigert wird, ohne die Durchdringung mit Chrom(III)-Komplexen zu behindern. Die Fixierung der Gerbung erfolgt durch Zugabe von basischem Calcium-/Magnesiumcarbonat. Nach Neutralisation, Färbung und Fettung wird das Leder konfektioniert. Innerhalb weniger Tage kann so aus roher Tierhaut ein festes, optisch und haptisch ansprechendes Leder entstehen.

Durch Chromgerbung erzeugte Leder sind doppelt so reißfest und viel leichter als pflanzlich gegerbte Leder. Auch diese Eigenschaften haben die Entwicklung der Chromgerbung sehr gefördert.

Fertiges chromgegerbtes Leder enthält ca. 1,5 bis 4 % Gerbstoffe, hier Chrom(III)-Verbindungen. Diese können jedoch unter Einfluss von Licht und Wärme, aber auch unter ungeeigneten Herstellungsbedingungen zu Chrom(VI)-Verbindungen oxidiert werden. Diese sind nach der Europäischen Verordnung VO (EG) Nr. 1272/2008 unter anderem als hautsensibilisierend eingestuft, in höheren und dauerhaften Dosen gelten sie als krebserregend und akut toxisch. Daher dürfen nach der Europäischen Verordnung VO (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) Ledererzeugnisse, die mit der Haut in Berührung kommen, und Erzeugnisse, die Lederteile enthalten, die mit der Haut in Berührung kommen, aus Gründen des Verbraucherschutzes nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn die Lederteile des Produkts einen Chrom(VI)-Gehalt von 3 mg/kg Trockengewicht oder mehr aufweisen.

Leder kann auf vielfältige Weise gegerbt werden. Beim Gerbprozess werden die Gerbstoffe von der vorbereiteten Tierhaut aufgenommen und verwandeln diese in Leder.

Die Gerbung von Leder mit Pflanzenteilen ist kulturhistorisch seit rund 5.000 Jahren bekannt und das älteste Verfahren zur Ledergerbung. Die bei der Gerbung aktiven pflanzlichen Gerbstoffe, sogenannte Tannine, werden von Pflanzen synthetisiert und gespeichert, um Fraßfeinde abzuwehren. Heute werden pflanzliche Gerbstoffe aus Rinden, Wurzeln oder Blättern technisch extrahiert und zu „Brühen“ angesetzt. Rohe Tierhäute werden vorbereitet und in Fässern oder riesigen Walkmaschinen zusammen mit dieser Brühe eingebracht. Die anschließende pflanzliche Gerbung dauert über Wochen. Danach erhält man ein festes Leder, das weiter konfektioniert werden muss.

Als schnelle und kostengünstige Variante hat sich seit langem die Gerbung mit Chrom(III)-Verbindungen etabliert. Dabei vernetzen die hier verwendeten Gerbstoffe die Kollagenfasern der Haut flexibel, sodass das Leder beim Trocknen nicht verhärtet. In vielen weiteren Schritten werden hochwertige Leder in verschiedenen Materialstärken und Farben mit jeweils gewünschten Oberflächeneigenschaften und „Griff“ hergestellt:

Bei der Chromgerbung wird das Leder zunächst sauer eingelegt und mit Neutralsalz behandelt. Durch das Sauerstellen der Tierhaut können Mineralsalze die Gewebestrukturen anschließend gut durchdringen. Zur Gerbung wird in der Regel Chrom(III)-sulfat verwendet, das in Lösung „polymere Cluster“ bildet, die eine Vernetzung von Kollagenuntereinheiten der noch rohen Haut bewirken. Der Zusatz von Essigsäure verhindert die Bildung von langen Polychrom(III)-Ketten. Außerdem kann so der pH-Wert des Bades leicht erhöht werden, wodurch die Reaktivität des Kollagens gesteigert wird, ohne die Durchdringung mit Chrom(III)-Komplexen zu behindern. Die Fixierung der Gerbung erfolgt durch Zugabe von basischem Calcium-/Magnesiumcarbonat. Nach Neutralisation, Färbung und Fettung wird das Leder konfektioniert. Innerhalb weniger Tage kann so aus roher Tierhaut ein festes, optisch und haptisch ansprechendes Leder entstehen.

Durch Chromgerbung erzeugte Leder sind doppelt so reißfest und viel leichter als pflanzlich gegerbte Leder. Auch diese Eigenschaften haben die Entwicklung der Chromgerbung sehr gefördert.

Fertiges chromgegerbtes Leder enthält ca. 1,5 bis 4 % Gerbstoffe, hier Chrom(III)-Verbindungen. Diese können jedoch unter Einfluss von Licht und Wärme, aber auch unter ungeeigneten Herstellungsbedingungen zu Chrom(VI)-Verbindungen oxidiert werden. Diese sind nach der Europäischen Verordnung VO (EG) Nr. 1272/2008 unter anderem als hautsensibilisierend eingestuft, in höheren und dauerhaften Dosen gelten sie als krebserregend und akut toxisch. Daher dürfen nach der Europäischen Verordnung VO (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) Ledererzeugnisse, die mit der Haut in Berührung kommen, und Erzeugnisse, die Lederteile enthalten, die mit der Haut in Berührung kommen, aus Gründen des Verbraucherschutzes nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn die Lederteile des Produkts einen Chrom(VI)-Gehalt von 3 mg/kg Trockengewicht oder mehr aufweisen.

Abwägung von Vor- und Nachteilen beider Verfahren

Abwägung von Vor- und Nachteilen beider Verfahren

Chromgerbung

Chromgerbung

Vorteile Nachteile

preiswert

schnelle Herstellung

Massenware

gute Reißfestigkeit

Chrom (VI) kann entstehen

spezielle Entsorgung

Vorteile Nachteile

preiswert

schnelle Herstellung

Massenware

gute Reißfestigkeit

Chrom (VI) kann entstehen

spezielle Entsorgung

vegetabile Gerbung

vegetabile Gerbung

Vorteile Nachteile

für Chrom-Allergiker, Kinder

einfache Entsorgung

wenig "Chemie" (nur Farbstoffe etc.)

wenig Verzug

atmungsaktiv

hautverträglich

deutlich teurer

hoher Rohstoffeinsatz (Rinden...)

hoher Energieeinsatz

technisch aufwändige Herstellung

Vorteile Nachteile

für Chrom-Allergiker, Kinder

einfache Entsorgung

wenig "Chemie" (nur Farbstoffe etc.)

wenig Verzug

atmungsaktiv

hautverträglich

deutlich teurer

hoher Rohstoffeinsatz (Rinden...)

hoher Energieeinsatz

technisch aufwändige Herstellung

Untersuchungsspektrum

Untersuchungsspektrum

Im Jahr 2023 wurden im LLBB insgesamt 60 Bedarfsgegenstände aus bzw. mit Leder im direkten Körperkontakt untersucht, die in Berlin und Brandenburg entnommen wurden. Es wurden bewusst nur die vier Produktgruppen Arbeitshandschuhe (23 Proben), Geldbörsen (19 Proben), Krabbelschuhe (12 Proben) und Handschuhe (6 Proben) gewählt, um anhand höherer Probenzahlen pro Produktgruppe einen besseren Einblick in diese zu erhalten. In jeder dieser Produktgruppen gab es einige Produkte, die in der Kennzeichnung als chromfrei gegerbt ausgelobt wurden.

Im Jahr 2023 wurden im LLBB insgesamt 60 Bedarfsgegenstände aus bzw. mit Leder im direkten Körperkontakt untersucht, die in Berlin und Brandenburg entnommen wurden. Es wurden bewusst nur die vier Produktgruppen Arbeitshandschuhe (23 Proben), Geldbörsen (19 Proben), Krabbelschuhe (12 Proben) und Handschuhe (6 Proben) gewählt, um anhand höherer Probenzahlen pro Produktgruppe einen besseren Einblick in diese zu erhalten. In jeder dieser Produktgruppen gab es einige Produkte, die in der Kennzeichnung als chromfrei gegerbt ausgelobt wurden.

Fazit und Ausblick

Fazit und Ausblick

Keine der Proben aus den vier untersuchten Produktgruppen aus Leder musste bezüglich einer Höchstmengenüberschreitung von Chrom (VI) beanstandet werden. Moderne Herstellungs- und Verarbeitungstechniken führen zu deutlich inerteren Ledern, die weniger anfällig für eine Oxidation von Chrom(III)- zu Chrom(VI)-Verbindungen sind. Da es sich bei Chrom (VI) um ein Kontaktallergen handelt und eine Sensibilisierung lebenslang bestehen bleibt, werden weiterhin regelmäßig Proben aus oder mit Leder im LLBB auf Chrom (VI) untersucht.

Keine der Proben aus den vier untersuchten Produktgruppen aus Leder musste bezüglich einer Höchstmengenüberschreitung von Chrom (VI) beanstandet werden. Moderne Herstellungs- und Verarbeitungstechniken führen zu deutlich inerteren Ledern, die weniger anfällig für eine Oxidation von Chrom(III)- zu Chrom(VI)-Verbindungen sind. Da es sich bei Chrom (VI) um ein Kontaktallergen handelt und eine Sensibilisierung lebenslang bestehen bleibt, werden weiterhin regelmäßig Proben aus oder mit Leder im LLBB auf Chrom (VI) untersucht.

Literatur

Literatur

Das Lederzentrum Lederlexikon, www.lederzentrum.de/wiki/index.php/Das_Lederzentrum_Lederlexikon, aufgerufen am 12.03.2024

https://de.wikipedia.org/wiki/Chromgerbung, aufgerufen am 13.03.2024

www.braun-bueffel.com/ledertipps/herkunft/vegetabile-gerbung.html, aufgerufen am 13.03.2024

Das Lederzentrum Lederlexikon, www.lederzentrum.de/wiki/index.php/Das_Lederzentrum_Lederlexikon, aufgerufen am 12.03.2024

https://de.wikipedia.org/wiki/Chromgerbung, aufgerufen am 13.03.2024

www.braun-bueffel.com/ledertipps/herkunft/vegetabile-gerbung.html, aufgerufen am 13.03.2024