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Fischsterben in der Oder 2022

Eine Umweltkrise von nationaler und internationaler Bedeutung

Karte des vom Fischsterben in der Oder betroffenen Flussverlaufs Quelle: Umweltbundesamt und Nationale Expert*innengruppe zum Fischsterben in der Oder, 2022

Am 09. August 2022 sichtete ein Schiffsführer aus Frankfurt (Oder) ein auffälliges Fischsterben in der Oder und meldete dies dem Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB), das die Informationen unverzüglich an das LfU weitergab. In der Folge zeigte sich, dass die Oder auf ca. 500 km Länge von einem schweren Umweltschaden betroffen war, im Zuge dessen in einem bisher nicht beobachteten Ausmaß Fische verendeten. Neben Fischen verendeten auch andere aquatische Organismen wie Schnecken und Muscheln. Das tatsächliche Ausmaß der Umweltschäden und die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem können derzeit noch nicht quantifiziert werden.

Eine besondere Herausforderung bei der Aufklärung des Phänomens war und ist zudem, dass es keine Hinweise auf eine mögliche äußere Ursache (wie beispielsweise einen Chemieunfall oder eine außerordentliche Einleitung toxischer Abwässer) für das Fischsterben gab.

Vor dem Hintergrund der bestehenden Zusammenarbeit zwischen dem LfU und dem LLBB im Rahmen der regulären Fließgewässerüberwachung (Beprobung und Untersuchung von Fließgewässern durch das LLBB im Auftrag des LfU, siehe dazu auch Kapitel 4, Statistik und Überblick 2022) liefen auch die Untersuchungen zum Fischsterben in der Oder Hand in Hand. Daher wurde dieser Artikel des LLBB-Jahresberichts von beiden Institutionen gemeinsam verfasst.

Karte des vom Fischsterben in der Oder betroffenen Flussverlaufs Quelle: Umweltbundesamt und Nationale Expert*innengruppe zum Fischsterben in der Oder, 2022

Am 09. August 2022 sichtete ein Schiffsführer aus Frankfurt (Oder) ein auffälliges Fischsterben in der Oder und meldete dies dem Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB), das die Informationen unverzüglich an das LfU weitergab. In der Folge zeigte sich, dass die Oder auf ca. 500 km Länge von einem schweren Umweltschaden betroffen war, im Zuge dessen in einem bisher nicht beobachteten Ausmaß Fische verendeten. Neben Fischen verendeten auch andere aquatische Organismen wie Schnecken und Muscheln. Das tatsächliche Ausmaß der Umweltschäden und die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem können derzeit noch nicht quantifiziert werden.

Eine besondere Herausforderung bei der Aufklärung des Phänomens war und ist zudem, dass es keine Hinweise auf eine mögliche äußere Ursache (wie beispielsweise einen Chemieunfall oder eine außerordentliche Einleitung toxischer Abwässer) für das Fischsterben gab.

Vor dem Hintergrund der bestehenden Zusammenarbeit zwischen dem LfU und dem LLBB im Rahmen der regulären Fließgewässerüberwachung (Beprobung und Untersuchung von Fließgewässern durch das LLBB im Auftrag des LfU, siehe dazu auch Kapitel 4, Statistik und Überblick 2022) liefen auch die Untersuchungen zum Fischsterben in der Oder Hand in Hand. Daher wurde dieser Artikel des LLBB-Jahresberichts von beiden Institutionen gemeinsam verfasst.

Das automatische Messnetz zur ­Überwachung der Oder

Die automatischen Messstationen zur Überwachung der Oberflächenwassergüte in Brandenburg sind eine wesentliche Stütze bei der zeitnahen Überwachung von möglichen negativen Veränderungen der Gewässer. An der Oder befinden sich automatische Messstationen (AMS) an den Standorten Frankfurt (Oder) und Hohenwutzen.

Im Zeitraum des Fischsterbens (05. August bis 07. September 2022) bildeten die Messwerte der AMS, im Internet unter https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/wasser/fliessgewaesser-und-seen/gewaesserueberwachung/wasserguetemessnetz einsehbar, die wichtigste Grundlage für die tagesaktuellen wasser­wirtschaftlichen Entscheidungen und die Information von Öffentlichkeit und Presse, da die Laboranalytik erst zeitverzögert Ergebnisse liefern kann.

Folgende Parameter werden an den Oder-Messstationen regulär durch Messsonden erfasst:

  • AMS Frankfurt (Oder) und AMS Hohenwutzen: Temperatur, Sauerstoff, Trübung, Leitfähigkeit, pH-Wert, Nitrat-N, Chlorophyll a
  • In Hohenwutzen wird zusätzlich der Toxizitätsindex in einem Daphnientoximeter ermittelt.

Darüber hinaus werden an den Messstationen automatisch Tagesmischproben gewonnen, die im Ereignisfall im Labor analysiert werden können.

Die Parameter Leitfähigkeit, pH-Wert und Trübung zeigten einen Zusammenhang mit dem Fischsterben. Der Toxizitätsindex stieg rasant an, und über mehrere Tage verstarben alle Daphnien (Wasserflöhe) im Toximeter.

In Frankfurt (Oder) stiegen die Werte bereits am 01. August 2022, flussabwärts in Hohenwutzen ab dem 03. August 2022 stetig. Ursächlich für den Anstieg war überwiegend das in die Oder gelangte Salz Natriumchlorid. Mit den hohen Salzgehalten ging ein sprunghafter Anstieg der Sauerstoffkonzentrationen, des pH-Werts und der Chlorophyll-a-Konzentrationen sowie ein Absinken der Nitratkonzentration einher. Hoch aufgelöste Satellitenbilder bestätigten im Lauf des Ereignisses ein sehr starkes Algenwachstum. Der Daphnientoximeter in der AMS in Hohenwutzen indizierte eine hohe Toxizität der Inhaltsstoffe im Wasser der Oder.

Rückwirkend konnte der zeitliche Rahmen des Fischsterbens für die Grenzoder auf einen Zeitraum vom 01. bis 22. August 2022 eingeordnet werden. Hierfür wurde die elektrische Leitfähigkeit als Maß herangezogen.

Die automatischen Messstationen zur Überwachung der Oberflächenwassergüte in Brandenburg sind eine wesentliche Stütze bei der zeitnahen Überwachung von möglichen negativen Veränderungen der Gewässer. An der Oder befinden sich automatische Messstationen (AMS) an den Standorten Frankfurt (Oder) und Hohenwutzen.

Im Zeitraum des Fischsterbens (05. August bis 07. September 2022) bildeten die Messwerte der AMS, im Internet unter https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/wasser/fliessgewaesser-und-seen/gewaesserueberwachung/wasserguetemessnetz einsehbar, die wichtigste Grundlage für die tagesaktuellen wasser­wirtschaftlichen Entscheidungen und die Information von Öffentlichkeit und Presse, da die Laboranalytik erst zeitverzögert Ergebnisse liefern kann.

Folgende Parameter werden an den Oder-Messstationen regulär durch Messsonden erfasst:

  • AMS Frankfurt (Oder) und AMS Hohenwutzen: Temperatur, Sauerstoff, Trübung, Leitfähigkeit, pH-Wert, Nitrat-N, Chlorophyll a
  • In Hohenwutzen wird zusätzlich der Toxizitätsindex in einem Daphnientoximeter ermittelt.

Darüber hinaus werden an den Messstationen automatisch Tagesmischproben gewonnen, die im Ereignisfall im Labor analysiert werden können.

Die Parameter Leitfähigkeit, pH-Wert und Trübung zeigten einen Zusammenhang mit dem Fischsterben. Der Toxizitätsindex stieg rasant an, und über mehrere Tage verstarben alle Daphnien (Wasserflöhe) im Toximeter.

In Frankfurt (Oder) stiegen die Werte bereits am 01. August 2022, flussabwärts in Hohenwutzen ab dem 03. August 2022 stetig. Ursächlich für den Anstieg war überwiegend das in die Oder gelangte Salz Natriumchlorid. Mit den hohen Salzgehalten ging ein sprunghafter Anstieg der Sauerstoffkonzentrationen, des pH-Werts und der Chlorophyll-a-Konzentrationen sowie ein Absinken der Nitratkonzentration einher. Hoch aufgelöste Satellitenbilder bestätigten im Lauf des Ereignisses ein sehr starkes Algenwachstum. Der Daphnientoximeter in der AMS in Hohenwutzen indizierte eine hohe Toxizität der Inhaltsstoffe im Wasser der Oder.

Rückwirkend konnte der zeitliche Rahmen des Fischsterbens für die Grenzoder auf einen Zeitraum vom 01. bis 22. August 2022 eingeordnet werden. Hierfür wurde die elektrische Leitfähigkeit als Maß herangezogen.

Zielgerichtete Breitbandanalytik von Tagesmischproben

Messwerte für 2,4-D, 2,4,6-T und 2,6-D aus den Tagesmischproben vom 05., 06., 07. und 08. August 2022 Foto: LLBB

Da die Veränderungen der an den AMS erfassten Parameter (s. o.) bereits vor dem 09. August 2022 beobachtet werden konnten, wurden unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Fischsterbens sowohl die Tagesmischprobe vom 09. August 2022 als auch die gesicherten Rückstellproben vom 05. bis 08. August 2022 ins LLBB gebracht und dort untersucht. Da keine Hinweise vorlagen, welche Art von Gewässerbelastungen ursächlich für das Fischsterben waren, wurde ein breites Parameterspektrum analysiert. Dieses umfasste nahezu alle direkt im LLBB möglichen Wasseruntersuchungen wie

  • Anionen wie Nitrat, o-Phosphat, Nitrit, Ammonium, Chlorid, Fluorid, Bromid, Sulfat
  • Summenparameter wie chemischer Sauerstoffbedarf (CSB), gesamter organischer Kohlenstoff (total organic carbon (TOC)), gesamter gebundener Stickstoff (total nitrogen bound (TNb))
  • Metalle wie Na, K, Ca, Mg, Fe, Mn, Cu, Cd, Co, Cr, Li, Ni, Pb, Ag, Sb, Se, Zn, As, Al, Ba, B, Sn, Tl, U, V und Hg
  • verschiedene organische Schadstoffe

Aus der breiten Palette der organischen Schadstoffe wurden insbesondere diejenigen Stoffgruppen untersucht, zu denen es in den zurückliegenden Jahren gelegentlich positive Befunde oder spezielle Anfragen gegeben hatte. Dazu gehörten die Phenylharnstoffe und Triazine (PHS), Phenoxyalkancarbonsäuren (PCS mit Bentazon und 2,4-D), leichtflüchtige Halogenkohlenwasserstoffe (LHKW) und Chlorphenole.

Die untersuchten Parameter sind in verschiedenen gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Oberflächengewässern verankert bzw. haben sich in der Gewässeranalytik der Oder etabliert, weil sie einen hohen Anzeigewert für Belastungen der Gewässer haben, typischerweise in industriellen oder kommunalen Abwässern vorkommen oder ein hohes Schadstoffpotenzial aufweisen.

Zusätzlich zu den Parametern, für die im Kontext der Routineüberwachung von Gewässern etablierte Messmethoden im LLBB vorhanden sind, wurde aufgrund eines Hinweises von polnischer Seite in kürzester Zeit im LLBB ein Messverfahren zur quantitativen Untersuchung von Mesitylen (1,3,5-Trimethylbenzol) in Gewässerproben entwickelt.

Kennzeichnend für das Fischsterben war der Anstieg der Parameter Natrium und Chlorid und das Fehlen der anorganischen Stickstoffverbindungen.

Bei den organischen Verbindungen fielen vom 06. bis 08. August 2022 deutlich erhöhte Werte der organischen Verbindungen 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D), 2,6-Dichlorphenoxyessigsäure (2,6-D) und 2,4,6-Tri­chlorphenoxyessigsäure (2,4,6-T) auf, die allerdings keine letalen Konzentrationen erreichten.

Tabelle: Messwerte für 2,4-D, 2,4,6-T und 2,6-D aus den Tagesmischproben vom 05., 06., 07. und 08. August 2022 (AMS Frankfurt (Oder))

In der Tabelle sind die ungewöhnlich hohen Werte für 2,4-D von Anfang August 2022 im Vergleich zu den Vorgaben aus der aktuellen Oberflächengewässerverordnung (OGewV) dargestellt. Gleichzeitig sind die technischen Begleitstoffe 2,6-D und 2,4,6-T ebenfalls deutlich erhöht gegenüber den Vorjahren, was auf eine industrielle Einleitung hindeutet (vgl. dazu auch den Statusbericht der Nationalen Expert*innengruppe, UBA 2022).

Eine akut toxische Wirkung auf Fische und Invertebraten tritt erst im mg/l-Bereich auf. Die gefundenen Konzentrationen sind jedoch im Gesamtzusammenhang mit dem Fischsterben noch nicht abschließend bewertet. Eine Hypothese ist, dass die ermittelten Konzentrationen an 2,4-D ein Algenwachstum anregen könnten (vgl. UBA 2022, S. 23; dort angegebene Quelle: Wong, P. K. (2000). Effects of 2,4-D, glyphosate and paraquat on growth, photosynthesis and chlorophyll-a synthesis of Scenedesmus quadricauda Berb 614. Chemosphere 41, 177–182).

Messwerte für 2,4-D, 2,4,6-T und 2,6-D aus den Tagesmischproben vom 05., 06., 07. und 08. August 2022 Foto: LLBB

Da die Veränderungen der an den AMS erfassten Parameter (s. o.) bereits vor dem 09. August 2022 beobachtet werden konnten, wurden unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Fischsterbens sowohl die Tagesmischprobe vom 09. August 2022 als auch die gesicherten Rückstellproben vom 05. bis 08. August 2022 ins LLBB gebracht und dort untersucht. Da keine Hinweise vorlagen, welche Art von Gewässerbelastungen ursächlich für das Fischsterben waren, wurde ein breites Parameterspektrum analysiert. Dieses umfasste nahezu alle direkt im LLBB möglichen Wasseruntersuchungen wie

  • Anionen wie Nitrat, o-Phosphat, Nitrit, Ammonium, Chlorid, Fluorid, Bromid, Sulfat
  • Summenparameter wie chemischer Sauerstoffbedarf (CSB), gesamter organischer Kohlenstoff (total organic carbon (TOC)), gesamter gebundener Stickstoff (total nitrogen bound (TNb))
  • Metalle wie Na, K, Ca, Mg, Fe, Mn, Cu, Cd, Co, Cr, Li, Ni, Pb, Ag, Sb, Se, Zn, As, Al, Ba, B, Sn, Tl, U, V und Hg
  • verschiedene organische Schadstoffe

Aus der breiten Palette der organischen Schadstoffe wurden insbesondere diejenigen Stoffgruppen untersucht, zu denen es in den zurückliegenden Jahren gelegentlich positive Befunde oder spezielle Anfragen gegeben hatte. Dazu gehörten die Phenylharnstoffe und Triazine (PHS), Phenoxyalkancarbonsäuren (PCS mit Bentazon und 2,4-D), leichtflüchtige Halogenkohlenwasserstoffe (LHKW) und Chlorphenole.

Die untersuchten Parameter sind in verschiedenen gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Oberflächengewässern verankert bzw. haben sich in der Gewässeranalytik der Oder etabliert, weil sie einen hohen Anzeigewert für Belastungen der Gewässer haben, typischerweise in industriellen oder kommunalen Abwässern vorkommen oder ein hohes Schadstoffpotenzial aufweisen.

Zusätzlich zu den Parametern, für die im Kontext der Routineüberwachung von Gewässern etablierte Messmethoden im LLBB vorhanden sind, wurde aufgrund eines Hinweises von polnischer Seite in kürzester Zeit im LLBB ein Messverfahren zur quantitativen Untersuchung von Mesitylen (1,3,5-Trimethylbenzol) in Gewässerproben entwickelt.

Kennzeichnend für das Fischsterben war der Anstieg der Parameter Natrium und Chlorid und das Fehlen der anorganischen Stickstoffverbindungen.

Bei den organischen Verbindungen fielen vom 06. bis 08. August 2022 deutlich erhöhte Werte der organischen Verbindungen 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D), 2,6-Dichlorphenoxyessigsäure (2,6-D) und 2,4,6-Tri­chlorphenoxyessigsäure (2,4,6-T) auf, die allerdings keine letalen Konzentrationen erreichten.

Tabelle: Messwerte für 2,4-D, 2,4,6-T und 2,6-D aus den Tagesmischproben vom 05., 06., 07. und 08. August 2022 (AMS Frankfurt (Oder))

In der Tabelle sind die ungewöhnlich hohen Werte für 2,4-D von Anfang August 2022 im Vergleich zu den Vorgaben aus der aktuellen Oberflächengewässerverordnung (OGewV) dargestellt. Gleichzeitig sind die technischen Begleitstoffe 2,6-D und 2,4,6-T ebenfalls deutlich erhöht gegenüber den Vorjahren, was auf eine industrielle Einleitung hindeutet (vgl. dazu auch den Statusbericht der Nationalen Expert*innengruppe, UBA 2022).

Eine akut toxische Wirkung auf Fische und Invertebraten tritt erst im mg/l-Bereich auf. Die gefundenen Konzentrationen sind jedoch im Gesamtzusammenhang mit dem Fischsterben noch nicht abschließend bewertet. Eine Hypothese ist, dass die ermittelten Konzentrationen an 2,4-D ein Algenwachstum anregen könnten (vgl. UBA 2022, S. 23; dort angegebene Quelle: Wong, P. K. (2000). Effects of 2,4-D, glyphosate and paraquat on growth, photosynthesis and chlorophyll-a synthesis of Scenedesmus quadricauda Berb 614. Chemosphere 41, 177–182).

Diagramm zu den Messergebnissen zu 2,4-D, 2,6-D und 2,4,6-T (vgl. Abb. 9 im Bericht der ­Nationalen Expert*innengruppe, UBA 2022) Diagramm: LLBB / Grafische Gestaltung: unicom-berlin.de

2,4-D ist bereits seit Beginn der 2000er Jahre in Beobachtung des Landes Brandenburg. Die Befunde für 2,4-D in der Oder waren überwiegend im Winter sehr hoch und korrelierten nicht mit den in Verkehr gebrachten Wirkstoffmengen und dem Anwendungszeitraum (LLBB-Jahresbericht 2011, S. 94 f). In der Abbildung sind die Daten ab 2012 zusammengestellt. Die hohen Konzentrationen waren in den Vorjahren besonders in den Wintermonaten aufgefallen, während die Befunde 2022 im Sommer aufgetreten sind. Ein Abschwemmen von der Bodenoberfläche kann aufgrund der Trockenheit ausgeschlossen werden. Warum die gefundenen Konzentrationen an 2,4-D und seinen Begleitsubstanzen gerade im Sommer 2022 in Größenordnungen, wie sie seit 2013 nicht mehr detektiert wurden, aufgetreten sind, konnte bislang nicht geklärt werden.

Im Vergleich zu den langjährigen Untersuchungsreihen wurden erhöhte Gesamt-Quecksilberkonzentrationen bis zu 0,15 µg/l gemessen, die jedoch nicht in Bereichen lagen, die ein Fischsterben verursachen könnten. Üblich sind an dieser Messstelle in Frankfurt (Oder) Quecksilberwerte im Bereich von < 0,01 (BG) bis 0,022 µg/l im Verlauf der monatlichen Beprobungen des Jahres 2022. Im Rahmen der Untersuchungen im LLBB wurden außerdem über einen sehr kurzen Zeitraum Aluminiumwerte gemessen, die so in der Oder noch nicht beobachtet worden sind. Nur durch die umfangreicheren Metalluntersuchungen in den Tagesmischproben von Anfang August 2022 war das Aluminium an der Messstation Frankfurt (Oder) mit in das Untersuchungsspektrum gelangt. An der Messstelle Oder/Hohenwutzen gehört Aluminium jedoch zum Standard-Monitoring. Der am 07. August 2022 an der Messstation Frankfurt (Oder) gemessene Aluminiumwert von mehr als 0,8 mg/l konnte eine Woche später am 14. August 2022 auch an der Messstelle in Hohenwutzen beobachtet werden.

Diagramm zu den Messergebnissen zu 2,4-D, 2,6-D und 2,4,6-T (vgl. Abb. 9 im Bericht der ­Nationalen Expert*innengruppe, UBA 2022) Diagramm: LLBB / Grafische Gestaltung: unicom-berlin.de

2,4-D ist bereits seit Beginn der 2000er Jahre in Beobachtung des Landes Brandenburg. Die Befunde für 2,4-D in der Oder waren überwiegend im Winter sehr hoch und korrelierten nicht mit den in Verkehr gebrachten Wirkstoffmengen und dem Anwendungszeitraum (LLBB-Jahresbericht 2011, S. 94 f). In der Abbildung sind die Daten ab 2012 zusammengestellt. Die hohen Konzentrationen waren in den Vorjahren besonders in den Wintermonaten aufgefallen, während die Befunde 2022 im Sommer aufgetreten sind. Ein Abschwemmen von der Bodenoberfläche kann aufgrund der Trockenheit ausgeschlossen werden. Warum die gefundenen Konzentrationen an 2,4-D und seinen Begleitsubstanzen gerade im Sommer 2022 in Größenordnungen, wie sie seit 2013 nicht mehr detektiert wurden, aufgetreten sind, konnte bislang nicht geklärt werden.

Im Vergleich zu den langjährigen Untersuchungsreihen wurden erhöhte Gesamt-Quecksilberkonzentrationen bis zu 0,15 µg/l gemessen, die jedoch nicht in Bereichen lagen, die ein Fischsterben verursachen könnten. Üblich sind an dieser Messstelle in Frankfurt (Oder) Quecksilberwerte im Bereich von < 0,01 (BG) bis 0,022 µg/l im Verlauf der monatlichen Beprobungen des Jahres 2022. Im Rahmen der Untersuchungen im LLBB wurden außerdem über einen sehr kurzen Zeitraum Aluminiumwerte gemessen, die so in der Oder noch nicht beobachtet worden sind. Nur durch die umfangreicheren Metalluntersuchungen in den Tagesmischproben von Anfang August 2022 war das Aluminium an der Messstation Frankfurt (Oder) mit in das Untersuchungsspektrum gelangt. An der Messstelle Oder/Hohenwutzen gehört Aluminium jedoch zum Standard-Monitoring. Der am 07. August 2022 an der Messstation Frankfurt (Oder) gemessene Aluminiumwert von mehr als 0,8 mg/l konnte eine Woche später am 14. August 2022 auch an der Messstelle in Hohenwutzen beobachtet werden.

Aluminiumgehalt in der Oder bei Frankfurt (Oder) im Beobachtungszeitraum während des Fischsterbens im August 2022 Diagramm: LLBB / Grafische Gestaltung: unicom-berlin.de
Aluminiumgehalt in der Oder bei Frankfurt (Oder) im Beobachtungszeitraum während des Fischsterbens im August 2022 Diagramm: LLBB / Grafische Gestaltung: unicom-berlin.de
Aluminiumgehalt in der Oder bei Hohen­wutzen vor, während und nach dem Fischsterben im August 2022 Diagramm: LLBB / Grafische Gestaltung: unicom-berlin.de

In gelöstem Zustand kann Aluminium in den gefundenen Konzentrationen auch eine toxische Wirkung für Fische haben. Allerdings sind die gemessenen Konzen­trationen unbedingt im Zusammenhang mit der Gesamtsituation des Gewässers zum Zeitpunkt der Messung zu sehen. Aluminium ist als amphoteres Element bei pH-Werten im sauren oder basischen Bereich sehr gut löslich, sodass sich bei pH-Schwankungen gebundenes Aluminium lösen kann. Während des Fischsterbens sind in der Oder pH-Werte im basischen Bereich aufgetreten.

Die Analyse der Wasserproben auf die übrigen Schadstoffparametergruppen zeigte weiter keine Auffälligkeiten. Auch das o. g. Mesitylen wurde in keiner Probe über der Bestimmungsgrenze von 0,1 µg/l nachgewiesen. Zwar wurden für einzelne Substanzen Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze gemessen, diese waren jedoch vergleichbar mit den Konzentrationen in anderen deutschen Fließgewässern.

Das LLBB hat weiterhin drei Fische auf Schwermetalle untersucht. Die Gehalte an Quecksilber, Blei, Arsen und Cadmium streuten stark, sowohl zwischen den Fisch­exemplaren als auch zwischen Filet und Gesamtfisch. Die Quecksilberbefunde bewegten sich im bisher in anderen Messprogrammen festgestellten Bereich. Die Belastung mit anderen Metallen war ebenfalls unauffällig.

Aluminiumgehalt in der Oder bei Hohen­wutzen vor, während und nach dem Fischsterben im August 2022 Diagramm: LLBB / Grafische Gestaltung: unicom-berlin.de

In gelöstem Zustand kann Aluminium in den gefundenen Konzentrationen auch eine toxische Wirkung für Fische haben. Allerdings sind die gemessenen Konzen­trationen unbedingt im Zusammenhang mit der Gesamtsituation des Gewässers zum Zeitpunkt der Messung zu sehen. Aluminium ist als amphoteres Element bei pH-Werten im sauren oder basischen Bereich sehr gut löslich, sodass sich bei pH-Schwankungen gebundenes Aluminium lösen kann. Während des Fischsterbens sind in der Oder pH-Werte im basischen Bereich aufgetreten.

Die Analyse der Wasserproben auf die übrigen Schadstoffparametergruppen zeigte weiter keine Auffälligkeiten. Auch das o. g. Mesitylen wurde in keiner Probe über der Bestimmungsgrenze von 0,1 µg/l nachgewiesen. Zwar wurden für einzelne Substanzen Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze gemessen, diese waren jedoch vergleichbar mit den Konzentrationen in anderen deutschen Fließgewässern.

Das LLBB hat weiterhin drei Fische auf Schwermetalle untersucht. Die Gehalte an Quecksilber, Blei, Arsen und Cadmium streuten stark, sowohl zwischen den Fisch­exemplaren als auch zwischen Filet und Gesamtfisch. Die Quecksilberbefunde bewegten sich im bisher in anderen Messprogrammen festgestellten Bereich. Die Belastung mit anderen Metallen war ebenfalls unauffällig.

Sondermessprogramm – verstärkte Gewässerbeobachtung

Das LLBB analysiert im Auftrag des LfU monatlich entnommene Schöpfproben aus den Flüssen in Brandenburg. Während des Fischsterbens 2022 wurden die Untersuchungen an der Oder durch zusätzliche Schöpf- und Tagesmischproben ergänzt. Zu Beginn des Ereignisses wurden Tagesmischproben aus den AMS in Frankfurt (Oder) und Hohenwutzen (siehe oben dargestellte Ergebnisse) sowie einzelne Schöpfproben aus der Oder bei Schwedt und am Zufluss zum Oder-Spree-Kanal genommen. Zur weiteren Beobachtung der Gewässerparameter wurden an den Messstellen bei Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt und dem polnischen Łomy vom 16. August bis 09. September 2022 täglich, außer an den Wochenenden, Schöpfproben entnommen. Vom Wochenende wurden die Tagesmischproben aus den AMS Frankfurt (Oder) und Hohenwutzen verwendet.

Das Messprogramm umfasste die Vor-Ort-Parameter, Metalle, Anionen, Cyanid, LHKW, Phenoxycarbonsäuren und andere ausgewählte Schadstoffe sowie Summenparameter.

Einen Eindruck vom Aufwand des Sondermessprogramms vermittelt die folgende Zahl: Insgesamt wurden im LLBB im Zusammenhang mit dem Fischsterben zusätzlich 978 Probenahmegefäße gefüllt.

Das LLBB analysiert im Auftrag des LfU monatlich entnommene Schöpfproben aus den Flüssen in Brandenburg. Während des Fischsterbens 2022 wurden die Untersuchungen an der Oder durch zusätzliche Schöpf- und Tagesmischproben ergänzt. Zu Beginn des Ereignisses wurden Tagesmischproben aus den AMS in Frankfurt (Oder) und Hohenwutzen (siehe oben dargestellte Ergebnisse) sowie einzelne Schöpfproben aus der Oder bei Schwedt und am Zufluss zum Oder-Spree-Kanal genommen. Zur weiteren Beobachtung der Gewässerparameter wurden an den Messstellen bei Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt und dem polnischen Łomy vom 16. August bis 09. September 2022 täglich, außer an den Wochenenden, Schöpfproben entnommen. Vom Wochenende wurden die Tagesmischproben aus den AMS Frankfurt (Oder) und Hohenwutzen verwendet.

Das Messprogramm umfasste die Vor-Ort-Parameter, Metalle, Anionen, Cyanid, LHKW, Phenoxycarbonsäuren und andere ausgewählte Schadstoffe sowie Summenparameter.

Einen Eindruck vom Aufwand des Sondermessprogramms vermittelt die folgende Zahl: Insgesamt wurden im LLBB im Zusammenhang mit dem Fischsterben zusätzlich 978 Probenahmegefäße gefüllt.

Amtshilfe zur nicht zielgerichteten Analyse

Da keine Hinweise auf die Ursache der akuten Gewässerbelastung und des Fischsterbens vorlagen, wurde ein breites Parameterspektrum untersucht (s. o.), um durch sukzessive Messungen infrage kommende Belastungen auf der Basis gesicherter Daten ausschließen oder nachweisen zu können. Die Grenzen einer solchen zielgerichteten Breitbandanalytik liegen darin, dass nur solche Stoffe erfasst werden können, die gezielt untersucht werden.

Vor diesem Hintergrund wurden das LfU und das LLBB, insbesondere angesichts der fehlenden Hinweise auf mögliche Schadstoffeinträge, schnell gemeinsam aktiv und baten das Umweltbundesamt (UBA) und die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) um Amtshilfe, um noch vorhandene Rückstellproben aus dem Ereigniszeitraum sowie aus Vergleichszeiträumen einer nicht zielgerichteten Analyse, dem Non-Target-Screening (NTS), zu unterziehen. Mit dieser neuen Analysemethode kann eine große Anzahl (über 1.000) Substanzen anhand ihrer hochauflösenden Massenspektren und Vergleich mit einer Spektrendatenbank identifiziert werden. Eine Quantifizierung (z. B. Bestimmung der Konzentration) erfordert nachträglich einen separaten Analysegang mit entsprechenden Methoden und ist nur möglich, wenn entsprechende Referenzstandards für die jeweiligen Substanzen vorliegen.

Mittels NTS wurden rund 70 Stoffe detektiert, deren Intensitäten im Ereigniszeitraum Auffälligkeiten aufwiesen und von denen für einzelne konkrete Substanzen Vorschläge abgeleitet werden konnten. Die Anwesenheit von 2,4-D, 2,6-D und 2,4,6-T konnte auch mit dem NTS eindeutig bestätigt werden. Um zu klären, inwieweit diese Substanzen das Fischsterben befördert haben, sind weitere Untersuchungen erforderlich (siehe UBA 2022, S. 30 und S. 20 ff).

Da keine Hinweise auf die Ursache der akuten Gewässerbelastung und des Fischsterbens vorlagen, wurde ein breites Parameterspektrum untersucht (s. o.), um durch sukzessive Messungen infrage kommende Belastungen auf der Basis gesicherter Daten ausschließen oder nachweisen zu können. Die Grenzen einer solchen zielgerichteten Breitbandanalytik liegen darin, dass nur solche Stoffe erfasst werden können, die gezielt untersucht werden.

Vor diesem Hintergrund wurden das LfU und das LLBB, insbesondere angesichts der fehlenden Hinweise auf mögliche Schadstoffeinträge, schnell gemeinsam aktiv und baten das Umweltbundesamt (UBA) und die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) um Amtshilfe, um noch vorhandene Rückstellproben aus dem Ereigniszeitraum sowie aus Vergleichszeiträumen einer nicht zielgerichteten Analyse, dem Non-Target-Screening (NTS), zu unterziehen. Mit dieser neuen Analysemethode kann eine große Anzahl (über 1.000) Substanzen anhand ihrer hochauflösenden Massenspektren und Vergleich mit einer Spektrendatenbank identifiziert werden. Eine Quantifizierung (z. B. Bestimmung der Konzentration) erfordert nachträglich einen separaten Analysegang mit entsprechenden Methoden und ist nur möglich, wenn entsprechende Referenzstandards für die jeweiligen Substanzen vorliegen.

Mittels NTS wurden rund 70 Stoffe detektiert, deren Intensitäten im Ereigniszeitraum Auffälligkeiten aufwiesen und von denen für einzelne konkrete Substanzen Vorschläge abgeleitet werden konnten. Die Anwesenheit von 2,4-D, 2,6-D und 2,4,6-T konnte auch mit dem NTS eindeutig bestätigt werden. Um zu klären, inwieweit diese Substanzen das Fischsterben befördert haben, sind weitere Untersuchungen erforderlich (siehe UBA 2022, S. 30 und S. 20 ff).

Untersuchung des Phytoplanktons

In einer Wasserprobe, die das Landesamt für Umwelt am 15. August 2022 um 14:30 Uhr an der Gewässergütemessstation Hohenwutzen aus der Oder entnommen hat, konnte die Algenart Prymnesium parvum, die Feurige Geißelalge, nachgewiesen werden. Die Untersuchung der Probe mit der Erstdiagnose erfolgte am 15. August 2022 gegen 17:25 Uhr am Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei im Forschungsverbund Berlin e. V. (IGB).

Der Verdacht auf Prymnesium parvum ergab sich für das LfU vor allem aus dem sonst unerklärlichen Fischsterben, denn z. B. die Sauerstoffkonzentration war während des Fischsterbens durchweg hoch (nahe der Sättigungskonzentration) bis sehr hoch (über der Sättigungskonzentration). Nach den am mikroskopischen Bild vorgenommenen ersten groben Schätzungen machte die Art in der Probe mindestens 10 % der Algenmasse aus, genug, um das Fischgift Prymnesin in großen Mengen in die Oder freizusetzen.

Prymnesium parvum ist wegen ihrer giftigen Wirkung auf Fische bekannt. Sie lebt bevorzugt in flachen stehenden Gewässern in Küstennähe mit stark erhöhtem Salzgehalt. Gerät sie unter Stickstoffmangel, produziert sie das in der Fischereiwirtschaft gefürchtete Fischgift Prymnesin, das in Gewässern mit hohen Calcium- und Magnesiumkonzentrationen extrem fischgiftig wirkt.

Die Alge steigert ihre Giftproduktion bei Stickstoffmangel. Sie kann als Pflanze Ammonium und Nitrat aufnehmen, frisst aber auch Bakterien, um ihren Stickstoffbedarf zu decken. Der Verlauf des Fischsterbens schreitet dadurch lawinenartig fort. Auch andere Kaltblüter (z. B. Krebstiere, Muscheln, Schnecken, Insekten) sind betroffen, sofern ihre ungeschützten Epithelien bei pH-Werten über sieben direkt mit den Algen oder dem gifthaltigen Wasser in Kontakt kommen. Im sauren Magensaft von Warmblütern wird Prymnesin zerstört und in ungiftige Bestandteile zersetzt. Deshalb starben weder Vögel noch Säugetiere.

Prymnesium parvum ist ökologisch in Brackwasserlachen entlang der Meeresküsten der Subtropen und der Küsten mit warmen Meeresströmungen eingenischt und kann sich von dort aus in Stauseen, warmen Flüssen und entlang der Küsten wegen der dort vorkommenden Fische als Stickstoffquelle schnell vermehren. Außerdem verstärkt jeder Stausee das Risiko von Algenblüten und Überhitzung des Stroms auf Temperaturen über 24 °C. Der hohe Salzgehalt im polnischen Abschnitt der Oder kann als ein ursächlicher Faktor für das Vorkommen von Prymnesium parvum angesehen werden. Die lichtmikroskopische Bestimmung wurde auf Veranlassung des IGB durch Untersuchungen des genetischen Typs der Geißelalge und des Nachweises des Gifts Prymnesin an der Universität Wien bestätigt.

Die Zusammensetzung und Abundanz (Häufigkeit) des Phytoplanktons (frei im Wasser schwebende Algen) in der Oder wurden durch ein vom LfU beauftragtes gewässerökologisches Institut im Zeitraum vom 16. August bis 04. September 2022 an drei biologischen Messstellen systematisch erfasst:

  • Oder nördlich Frankfurt (Oder) bei Lebus
  • Oder bei Lunower Dammhaus unterhalb Hohenwutzen
  • Westoder bei Staffelde

Zusätzlich wurden Proben von der Messstation Hohenwutzen II (nahe Lunow) genommen. Die Analysen erfolgten durch AquaEcology (Oldenburg) und die BfG (Koblenz).

Die Ergebnisse zeigten an der Probestelle Frankfurt (Oder) ein Maximum der Abundanzen des Phytoplanktons am 19. August 2022 mit 203 Millionen Zellen pro Liter. Davon entfielen 97 Millionen Zellen pro Liter auf Prymnesium parvum. In Hohenwutzen lag das Maximum am 16. August 2022 bei 141 Millionen Zellen pro Liter. Nach dem 19. August 2022 sanken die Abundanzen von Prymnesium parvum an allen drei Probestellen kontinuierlich ab.

In einer Wasserprobe, die das Landesamt für Umwelt am 15. August 2022 um 14:30 Uhr an der Gewässergütemessstation Hohenwutzen aus der Oder entnommen hat, konnte die Algenart Prymnesium parvum, die Feurige Geißelalge, nachgewiesen werden. Die Untersuchung der Probe mit der Erstdiagnose erfolgte am 15. August 2022 gegen 17:25 Uhr am Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei im Forschungsverbund Berlin e. V. (IGB).

Der Verdacht auf Prymnesium parvum ergab sich für das LfU vor allem aus dem sonst unerklärlichen Fischsterben, denn z. B. die Sauerstoffkonzentration war während des Fischsterbens durchweg hoch (nahe der Sättigungskonzentration) bis sehr hoch (über der Sättigungskonzentration). Nach den am mikroskopischen Bild vorgenommenen ersten groben Schätzungen machte die Art in der Probe mindestens 10 % der Algenmasse aus, genug, um das Fischgift Prymnesin in großen Mengen in die Oder freizusetzen.

Prymnesium parvum ist wegen ihrer giftigen Wirkung auf Fische bekannt. Sie lebt bevorzugt in flachen stehenden Gewässern in Küstennähe mit stark erhöhtem Salzgehalt. Gerät sie unter Stickstoffmangel, produziert sie das in der Fischereiwirtschaft gefürchtete Fischgift Prymnesin, das in Gewässern mit hohen Calcium- und Magnesiumkonzentrationen extrem fischgiftig wirkt.

Die Alge steigert ihre Giftproduktion bei Stickstoffmangel. Sie kann als Pflanze Ammonium und Nitrat aufnehmen, frisst aber auch Bakterien, um ihren Stickstoffbedarf zu decken. Der Verlauf des Fischsterbens schreitet dadurch lawinenartig fort. Auch andere Kaltblüter (z. B. Krebstiere, Muscheln, Schnecken, Insekten) sind betroffen, sofern ihre ungeschützten Epithelien bei pH-Werten über sieben direkt mit den Algen oder dem gifthaltigen Wasser in Kontakt kommen. Im sauren Magensaft von Warmblütern wird Prymnesin zerstört und in ungiftige Bestandteile zersetzt. Deshalb starben weder Vögel noch Säugetiere.

Prymnesium parvum ist ökologisch in Brackwasserlachen entlang der Meeresküsten der Subtropen und der Küsten mit warmen Meeresströmungen eingenischt und kann sich von dort aus in Stauseen, warmen Flüssen und entlang der Küsten wegen der dort vorkommenden Fische als Stickstoffquelle schnell vermehren. Außerdem verstärkt jeder Stausee das Risiko von Algenblüten und Überhitzung des Stroms auf Temperaturen über 24 °C. Der hohe Salzgehalt im polnischen Abschnitt der Oder kann als ein ursächlicher Faktor für das Vorkommen von Prymnesium parvum angesehen werden. Die lichtmikroskopische Bestimmung wurde auf Veranlassung des IGB durch Untersuchungen des genetischen Typs der Geißelalge und des Nachweises des Gifts Prymnesin an der Universität Wien bestätigt.

Die Zusammensetzung und Abundanz (Häufigkeit) des Phytoplanktons (frei im Wasser schwebende Algen) in der Oder wurden durch ein vom LfU beauftragtes gewässerökologisches Institut im Zeitraum vom 16. August bis 04. September 2022 an drei biologischen Messstellen systematisch erfasst:

  • Oder nördlich Frankfurt (Oder) bei Lebus
  • Oder bei Lunower Dammhaus unterhalb Hohenwutzen
  • Westoder bei Staffelde

Zusätzlich wurden Proben von der Messstation Hohenwutzen II (nahe Lunow) genommen. Die Analysen erfolgten durch AquaEcology (Oldenburg) und die BfG (Koblenz).

Die Ergebnisse zeigten an der Probestelle Frankfurt (Oder) ein Maximum der Abundanzen des Phytoplanktons am 19. August 2022 mit 203 Millionen Zellen pro Liter. Davon entfielen 97 Millionen Zellen pro Liter auf Prymnesium parvum. In Hohenwutzen lag das Maximum am 16. August 2022 bei 141 Millionen Zellen pro Liter. Nach dem 19. August 2022 sanken die Abundanzen von Prymnesium parvum an allen drei Probestellen kontinuierlich ab.

Nationale Expert*innengruppe zum Fischsterben in der Oder

Bundesumweltministerin Steffi Lemke und ihre polnische Kollegin Anna Moskwa hatten am 14. August 2022 die Einrichtung einer deutsch-polnischen Expert*innengruppe zur Aufklärung der Ursachen der Oderkata­strophe veranlasst. Die Gruppe war je zur Hälfte mit Expertinnen und Experten aus Deutschland und aus Polen besetzt worden.

Die deutsche Delegation traf sich erstmals am 16. August 2022 unter Leitung des UBA. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Institutionen, darunter auch das LfU und das LLBB, waren Teil der deutschen Delegation. Die polnische Seite hatte einen wissenschaftlichen Bericht beauftragt, der parallel veröffentlicht wurde (Wstępny raport zespołu ds. sytuacji na rzece Odrze ­Redakcja: Instytut Ochrony Środowiska – Państwowy Instytut Badawczy (IOS – PIB), dr hab. Agnieszka Kolada, prof. IOS – PIB).

Mit Stand 30. September 2022 veröffentlichte das UBA auf nationaler Ebene seinen Bericht „Fischsterben in der Oder, August 2022“, der von der deutschen Delegation der deutsch-polnischen Expert*innengruppe erarbeitet wurde (UBA 2022). Dieser Bericht fasst Informationen, Daten und Ergebnisse zusammen, die im Zeitraum des Fischsterbens im August 2022 seitens der Behörden erhoben und ausgewertet wurden. In den einzelnen Kapiteln werden die bisherigen Erkenntnisse dargelegt, mögliche Hypothesen im Zusammenhang mit dem Fischsterben analysiert, Kausalzusammenhänge geprüft sowie Klärungs- und Handlungsbedarf abgeleitet, um zukünftige Ereignisse dieser Art zu vermeiden.

2023 werden ein internationaler Algenworkshop und ein Workshop zur Revitalisierung der Oder durch Polen organisiert.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke und ihre polnische Kollegin Anna Moskwa hatten am 14. August 2022 die Einrichtung einer deutsch-polnischen Expert*innengruppe zur Aufklärung der Ursachen der Oderkata­strophe veranlasst. Die Gruppe war je zur Hälfte mit Expertinnen und Experten aus Deutschland und aus Polen besetzt worden.

Die deutsche Delegation traf sich erstmals am 16. August 2022 unter Leitung des UBA. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Institutionen, darunter auch das LfU und das LLBB, waren Teil der deutschen Delegation. Die polnische Seite hatte einen wissenschaftlichen Bericht beauftragt, der parallel veröffentlicht wurde (Wstępny raport zespołu ds. sytuacji na rzece Odrze ­Redakcja: Instytut Ochrony Środowiska – Państwowy Instytut Badawczy (IOS – PIB), dr hab. Agnieszka Kolada, prof. IOS – PIB).

Mit Stand 30. September 2022 veröffentlichte das UBA auf nationaler Ebene seinen Bericht „Fischsterben in der Oder, August 2022“, der von der deutschen Delegation der deutsch-polnischen Expert*innengruppe erarbeitet wurde (UBA 2022). Dieser Bericht fasst Informationen, Daten und Ergebnisse zusammen, die im Zeitraum des Fischsterbens im August 2022 seitens der Behörden erhoben und ausgewertet wurden. In den einzelnen Kapiteln werden die bisherigen Erkenntnisse dargelegt, mögliche Hypothesen im Zusammenhang mit dem Fischsterben analysiert, Kausalzusammenhänge geprüft sowie Klärungs- und Handlungsbedarf abgeleitet, um zukünftige Ereignisse dieser Art zu vermeiden.

2023 werden ein internationaler Algenworkshop und ein Workshop zur Revitalisierung der Oder durch Polen organisiert.

Mediale Aufmerksamkeit

Noch bevor die ersten Untersuchungsergebnisse vorliegen konnten, gelangten über die Social-Media-Kanäle auch die ersten Bilder vom Fischsterben in die Öffentlichkeit und in die Redaktionen der Medien. Das bis dahin kaum vorstellbare Ausmaß des Fischsterbens und die damit einhergehende Bildstärke der Katastrophe wurde sehr schnell deutschlandweit zum bestimmenden Thema in einer vergleichsweise nachrichtenarmen Zeit. Fischsterben ähnlicher Größenordnung, wie etwa 1986 am Rhein – ausgelöst durch den Löschwassereintrag nach einem Brandereignis in einer Chemiefabrik – oder 2000 in der Theiß (Rumänien) infolge eines Deichbruchs einer Absetzanlage für die Golderzaufbereitung, waren sehr genau zu lokalisierenden Ereignissen zuzuordnen und entsprechend leicht aufzuklären. Entsprechend hoch war die Erwartungshaltung der Nachrichtenredaktionen und der Tagespresse, die Ursache für das katastrophale Fischsterben in der Oder schnell aufzuklären. Die multifaktoriellen Zusammenhänge – extremes Niedrigwasser, hohe Luft- und Wassertemperaturen, hohe Salzgehalte und die Massenvermehrung einer zunächst unbekannten Algenart – standen einem schnellen Erkenntnisgewinn von einem Tag auf den anderen entgegen.

Diese Erwartungshaltung der Medien zeigte sich auch in den zahlreichen Presseanfragen ans LLBB, die insbesondere in den ersten Tagen nach dem Auftreten des Fischsterbens eingingen. Entsprechend bestand eine wesentliche Herausforderung darin, bei den Medien Verständnis für die Möglichkeiten, Grenzen und Erfordernisse einer exakten Laboranalytik zu wecken. Dies betraf einerseits die Anforderungen des qualitätsgesicherten Arbeitens in einem nach Norm akkreditierten Prüflaboratorium, beispielsweise, dass Werte erst kommuniziert werden können, wenn sie eine analytische Absicherung durchlaufen haben und damit gerichtsfest sind. Andererseits war es wichtig, die Grenzen der zielgerichteten Breitbandanalytik (s. o.) und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Ursachenaufklärung zu vermitteln. Nicht zuletzt war auch die Rollenverteilung zwischen den verschiedenen Akteuren erläuterungsbedürftig, z. B. dass das LLBB als Auftragnehmer des LfU keine Messwerte an die Medien kommunizieren kann.

Die Beteiligten aus LLBB und LfU analysierten noch während des Ereignisses, dass die Kommunikation mit der Presse neu und enger als bisher zu verzahnen ist. Um ein besseres Verständnis für die Laborabläufe und Auswertungszeiträume zu entwickeln, nahmen Führungskräfte und der Presseverantwortliche des LfU an einer Laborbegehung und simulierten Probenahme im LLBB teil. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch vereinbart, wer sich künftig während solcher Ereignisse zu welchen Themen gegenüber der Presse äußert.

Noch bevor die ersten Untersuchungsergebnisse vorliegen konnten, gelangten über die Social-Media-Kanäle auch die ersten Bilder vom Fischsterben in die Öffentlichkeit und in die Redaktionen der Medien. Das bis dahin kaum vorstellbare Ausmaß des Fischsterbens und die damit einhergehende Bildstärke der Katastrophe wurde sehr schnell deutschlandweit zum bestimmenden Thema in einer vergleichsweise nachrichtenarmen Zeit. Fischsterben ähnlicher Größenordnung, wie etwa 1986 am Rhein – ausgelöst durch den Löschwassereintrag nach einem Brandereignis in einer Chemiefabrik – oder 2000 in der Theiß (Rumänien) infolge eines Deichbruchs einer Absetzanlage für die Golderzaufbereitung, waren sehr genau zu lokalisierenden Ereignissen zuzuordnen und entsprechend leicht aufzuklären. Entsprechend hoch war die Erwartungshaltung der Nachrichtenredaktionen und der Tagespresse, die Ursache für das katastrophale Fischsterben in der Oder schnell aufzuklären. Die multifaktoriellen Zusammenhänge – extremes Niedrigwasser, hohe Luft- und Wassertemperaturen, hohe Salzgehalte und die Massenvermehrung einer zunächst unbekannten Algenart – standen einem schnellen Erkenntnisgewinn von einem Tag auf den anderen entgegen.

Diese Erwartungshaltung der Medien zeigte sich auch in den zahlreichen Presseanfragen ans LLBB, die insbesondere in den ersten Tagen nach dem Auftreten des Fischsterbens eingingen. Entsprechend bestand eine wesentliche Herausforderung darin, bei den Medien Verständnis für die Möglichkeiten, Grenzen und Erfordernisse einer exakten Laboranalytik zu wecken. Dies betraf einerseits die Anforderungen des qualitätsgesicherten Arbeitens in einem nach Norm akkreditierten Prüflaboratorium, beispielsweise, dass Werte erst kommuniziert werden können, wenn sie eine analytische Absicherung durchlaufen haben und damit gerichtsfest sind. Andererseits war es wichtig, die Grenzen der zielgerichteten Breitbandanalytik (s. o.) und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Ursachenaufklärung zu vermitteln. Nicht zuletzt war auch die Rollenverteilung zwischen den verschiedenen Akteuren erläuterungsbedürftig, z. B. dass das LLBB als Auftragnehmer des LfU keine Messwerte an die Medien kommunizieren kann.

Die Beteiligten aus LLBB und LfU analysierten noch während des Ereignisses, dass die Kommunikation mit der Presse neu und enger als bisher zu verzahnen ist. Um ein besseres Verständnis für die Laborabläufe und Auswertungszeiträume zu entwickeln, nahmen Führungskräfte und der Presseverantwortliche des LfU an einer Laborbegehung und simulierten Probenahme im LLBB teil. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch vereinbart, wer sich künftig während solcher Ereignisse zu welchen Themen gegenüber der Presse äußert.

Fazit

Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass das Fischsterben durch Algentoxine (Prymnesine) der Brackwasseralge Prymnesium parvum verursacht wurde. Diese Alge hat sich in der Oder massenhaft vermehrt. Auch weit unterhalb in der Oder bei Hohenwutzen waren zwischen dem 10. und 23. August 2022 Prymnesine in den Algen nachweisbar. Wahrscheinlich waren die Fische in der Zeit des Fischsterbens hohen osmotischen Belastungen aufgrund der angestiegenen Leitfähigkeit und hohen Wassertemperaturen ausgesetzt und gerieten dadurch unter erhöhten physiologischen Stress. Weder die erhöhte Leitfähigkeit von mehr als 1.900 µS/cm an der Messstation Frankfurt (Oder), die durch die vor allem auf polnischem Gebiet eingetragenen Salzlösungen verursacht wurde, noch die erhöhten Wassertemperaturen > 22 °C waren jedoch ausreichend, um ein Fischsterben in diesem Ausmaß auszulösen. Inwieweit darüber hinaus toxische chemische Substanzen das Fischsterben befördert haben, ist unbekannt. Neben Fischen starben weitere Kaltblüter wie z. B. Krebstiere, Muscheln, Schnecken und Insekten massenhaft, sodass das Ökosystem der Oder schwer geschädigt wurde.

Insbesondere die Ursachen, die zu der massiven Algenblüte geführt haben, können noch nicht als final aufgeklärt gelten. In Fachkreisen wird von multifaktoriellen Ursachen ausgegangen, die nicht allein durch die klimatischen Bedingungen erklärt werden können. Es ist davon auszugehen, dass die Goldalge das Fischsterben dominiert hat. Inwieweit andere Parameter einen Beitrag geleistet haben, ist jedoch insofern interessant, als dass sich die auslösenden Bedingungen jederzeit wieder einstellen und ein erneutes Fischsterben verursachen können.

Am 14. Februar 2023 gab das Umweltbundesministerium bekannt, die Frühwarnung an der Oder durch ein Forschungsvorhaben zu fördern. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin als federführende Einrichtung wird die entstandenen Schäden einerseits und die Regeneration der Oder andererseits systematisch erfassen, um Empfehlungen abzuleiten, wie die Widerstandsfähigkeit der Oder erhöht werden kann. Zuvor hatte das LfU bereits intern Handlungsketten und Abläufe evaluiert und Schlussfolgerungen gezogen.

Literatur:

UBA – Nationale Expert*innengruppe zum Fischsterben in der Oder unter Leitung des Umweltbundesamtes (2022): Fischsterben in der Oder, August 2022, Statusbericht, Stand 30.09.2022, www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/dokumente/statusbericht_fischsterben_in_der_oder_220930.pdf, aufgerufen am 03.02.2023

Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass das Fischsterben durch Algentoxine (Prymnesine) der Brackwasseralge Prymnesium parvum verursacht wurde. Diese Alge hat sich in der Oder massenhaft vermehrt. Auch weit unterhalb in der Oder bei Hohenwutzen waren zwischen dem 10. und 23. August 2022 Prymnesine in den Algen nachweisbar. Wahrscheinlich waren die Fische in der Zeit des Fischsterbens hohen osmotischen Belastungen aufgrund der angestiegenen Leitfähigkeit und hohen Wassertemperaturen ausgesetzt und gerieten dadurch unter erhöhten physiologischen Stress. Weder die erhöhte Leitfähigkeit von mehr als 1.900 µS/cm an der Messstation Frankfurt (Oder), die durch die vor allem auf polnischem Gebiet eingetragenen Salzlösungen verursacht wurde, noch die erhöhten Wassertemperaturen > 22 °C waren jedoch ausreichend, um ein Fischsterben in diesem Ausmaß auszulösen. Inwieweit darüber hinaus toxische chemische Substanzen das Fischsterben befördert haben, ist unbekannt. Neben Fischen starben weitere Kaltblüter wie z. B. Krebstiere, Muscheln, Schnecken und Insekten massenhaft, sodass das Ökosystem der Oder schwer geschädigt wurde.

Insbesondere die Ursachen, die zu der massiven Algenblüte geführt haben, können noch nicht als final aufgeklärt gelten. In Fachkreisen wird von multifaktoriellen Ursachen ausgegangen, die nicht allein durch die klimatischen Bedingungen erklärt werden können. Es ist davon auszugehen, dass die Goldalge das Fischsterben dominiert hat. Inwieweit andere Parameter einen Beitrag geleistet haben, ist jedoch insofern interessant, als dass sich die auslösenden Bedingungen jederzeit wieder einstellen und ein erneutes Fischsterben verursachen können.

Am 14. Februar 2023 gab das Umweltbundesministerium bekannt, die Frühwarnung an der Oder durch ein Forschungsvorhaben zu fördern. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin als federführende Einrichtung wird die entstandenen Schäden einerseits und die Regeneration der Oder andererseits systematisch erfassen, um Empfehlungen abzuleiten, wie die Widerstandsfähigkeit der Oder erhöht werden kann. Zuvor hatte das LfU bereits intern Handlungsketten und Abläufe evaluiert und Schlussfolgerungen gezogen.

Literatur:

UBA – Nationale Expert*innengruppe zum Fischsterben in der Oder unter Leitung des Umweltbundesamtes (2022): Fischsterben in der Oder, August 2022, Statusbericht, Stand 30.09.2022, www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/dokumente/statusbericht_fischsterben_in_der_oder_220930.pdf, aufgerufen am 03.02.2023