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Wielerella bovis: Erstbeschreibung eines neuen Krankheitserregers beim Rind

Herzklappe mit charakteristischen Wucherungen (Pfeile) Foto: LLBB

Die infektiöse Endokarditis des Rinds ist eine erregerbedingte chronische Entzündung der Herzinnenhaut. Charakteristisch sind erbsen- bis pfirsichgroße Wucherungen auf einer oder mehreren Herzklappen, wobei die Klappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer (Trikuspidalklappe) am häufigsten betroffen ist Wesentlich für die Entstehung ist ein peripherer, meist chronischer Entzündungsherd, so z. B. in tieferen Hautschichten nach Wundliegen, an den Klauen oder in der Gebärmutter. Von dort können bakterielle Erreger mit dem Blut zur Herzklappe gelangen, sich hier ansiedeln und wiederum Entzündungen auslösen. Klinisch äußert sich die Erkrankung zunächst durch Fieber, erhöhte Herzfrequenz und Fressunlust, später kommen Abmagerung, Ödeme sowie ein drastischer Rückgang der Milchleistung hinzu. Die therapeutischen Möglichkeiten sind begrenzt, und die Prognose gilt selbst bei frühzeitiger Erkennung als schlecht.

Im Jahr 2007 wurde im Zuge der bakteriologischen Fleischuntersuchung aus veränderten Herzklappen eines Schlachtrinds im LLBB ein Erreger isoliert, der weder mit konventionell bakteriologischen noch den seinerzeit verfügbaren molekularbiologischen Methoden einer bekannten Bakterienspezies zuzuordnen war. Weitere Funde folgten, sodass bis Ende 2012 insgesamt sechs Isolate vorlagen, die aufgrund ihrer phänotypischen Eigenschaften vorläufig als Mitglieder der Familie Neisseriaceae (beinhaltet u. a. sogenannte Meningokokken und Gonokokken) klassifiziert wurden. Weiterführende Untersuchungen mit dem Ziel der Spezieszuordnung scheiterten in Ermangelung geeigneter Partner, daher wurden die Isolate vorerst bei -80 °C konserviert.

Herzklappe mit charakteristischen Wucherungen (Pfeile) Foto: LLBB

Die infektiöse Endokarditis des Rinds ist eine erregerbedingte chronische Entzündung der Herzinnenhaut. Charakteristisch sind erbsen- bis pfirsichgroße Wucherungen auf einer oder mehreren Herzklappen, wobei die Klappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer (Trikuspidalklappe) am häufigsten betroffen ist Wesentlich für die Entstehung ist ein peripherer, meist chronischer Entzündungsherd, so z. B. in tieferen Hautschichten nach Wundliegen, an den Klauen oder in der Gebärmutter. Von dort können bakterielle Erreger mit dem Blut zur Herzklappe gelangen, sich hier ansiedeln und wiederum Entzündungen auslösen. Klinisch äußert sich die Erkrankung zunächst durch Fieber, erhöhte Herzfrequenz und Fressunlust, später kommen Abmagerung, Ödeme sowie ein drastischer Rückgang der Milchleistung hinzu. Die therapeutischen Möglichkeiten sind begrenzt, und die Prognose gilt selbst bei frühzeitiger Erkennung als schlecht.

Im Jahr 2007 wurde im Zuge der bakteriologischen Fleischuntersuchung aus veränderten Herzklappen eines Schlachtrinds im LLBB ein Erreger isoliert, der weder mit konventionell bakteriologischen noch den seinerzeit verfügbaren molekularbiologischen Methoden einer bekannten Bakterienspezies zuzuordnen war. Weitere Funde folgten, sodass bis Ende 2012 insgesamt sechs Isolate vorlagen, die aufgrund ihrer phänotypischen Eigenschaften vorläufig als Mitglieder der Familie Neisseriaceae (beinhaltet u. a. sogenannte Meningokokken und Gonokokken) klassifiziert wurden. Weiterführende Untersuchungen mit dem Ziel der Spezieszuordnung scheiterten in Ermangelung geeigneter Partner, daher wurden die Isolate vorerst bei -80 °C konserviert.

Wielerella-bovis-Bakterien im mikroskopischen Präparat einer Wucherung
Wielerella-bovis-Bakterien im mikroskopischen Präparat einer Wucherung
Spiegeleiförmige Wielerella-bovis-Kolonien nach Kultur auf Blutagar
Spiegeleiförmige Wielerella-bovis-Kolonien nach Kultur auf Blutagar

Im Herbst 2021 wurde die Suche nach einem Kooperationspartner erneut aufgenommen und ein solcher mit dem Institut für Veterinärbakteriologie der Universität Bern auch gefunden. Nach Versand der Erregerisolate in die Schweiz erfolgten durch die dortigen Kolleginnen und Kollegen intensive Untersuchungen zu genomischen, phylogenetischen und phänotypischen Eigenschaften. Darüber hinaus wurde die Studie um ein zusätzliches Isolat aus der Sammlung des Berner Instituts ergänzt. Im Ergebnis konnte der unbekannte Erreger im Mai 2022 als neue Bakterienspezies Wielerella bovis (bovis: des Rinds) in der ebenfalls neuen Gattung Wielerella beschrieben werden (Kuhnert et al. 2022). Die Namensgebung erfolgte in Würdigung des Schaffens von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Lothar H. Wieler, Mikrobiologe und ehemaliger Leiter des Robert Koch-Instituts.

Das natürliche Habitat von Wielerella bovis ist bislang unbekannt und der Erreger in der Tierseuchendiagnostik des LLBB mit Ausnahme der oben beschriebenen Fälle nicht weiter zutage getreten. Die Erstbeschreibung trägt insofern maßgeblich dazu bei, dieses Bakterium in Labors weltweit zu identifizieren und bestehende Wissenslücken zu dessen Vorkommen, Lebensweise und krankmachenden Eigenschaften zu schließen.

Literatur:

Kuhnert P., Brodard I., Bock S., Hemphill A., Akarsu H., Engelhardt A., Kutzer P. (2022): Wielerella bovis gen. nov., sp. nov. a member of the family Neisseriaceae associated with bovine endocarditis. Int J Syst Evol Microbiol. 2022, 72(5). doi: 10.1099/ijsem.0.005387

Im Herbst 2021 wurde die Suche nach einem Kooperationspartner erneut aufgenommen und ein solcher mit dem Institut für Veterinärbakteriologie der Universität Bern auch gefunden. Nach Versand der Erregerisolate in die Schweiz erfolgten durch die dortigen Kolleginnen und Kollegen intensive Untersuchungen zu genomischen, phylogenetischen und phänotypischen Eigenschaften. Darüber hinaus wurde die Studie um ein zusätzliches Isolat aus der Sammlung des Berner Instituts ergänzt. Im Ergebnis konnte der unbekannte Erreger im Mai 2022 als neue Bakterienspezies Wielerella bovis (bovis: des Rinds) in der ebenfalls neuen Gattung Wielerella beschrieben werden (Kuhnert et al. 2022). Die Namensgebung erfolgte in Würdigung des Schaffens von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Lothar H. Wieler, Mikrobiologe und ehemaliger Leiter des Robert Koch-Instituts.

Das natürliche Habitat von Wielerella bovis ist bislang unbekannt und der Erreger in der Tierseuchendiagnostik des LLBB mit Ausnahme der oben beschriebenen Fälle nicht weiter zutage getreten. Die Erstbeschreibung trägt insofern maßgeblich dazu bei, dieses Bakterium in Labors weltweit zu identifizieren und bestehende Wissenslücken zu dessen Vorkommen, Lebensweise und krankmachenden Eigenschaften zu schließen.

Literatur:

Kuhnert P., Brodard I., Bock S., Hemphill A., Akarsu H., Engelhardt A., Kutzer P. (2022): Wielerella bovis gen. nov., sp. nov. a member of the family Neisseriaceae associated with bovine endocarditis. Int J Syst Evol Microbiol. 2022, 72(5). doi: 10.1099/ijsem.0.005387