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Diagnostik von animalen Pestiviren

Die Gattung Pestivirus gehört zur Virusfamilie der Flaviviridae. Die Vertreter dieser Gattung sind behüllte Einzelstrang-RNA-Viren mit positiver Polarität und einem Durchmesser von ca. 40–60 nm. Pestiviren können bei Wiederkäuern und Schweinen Krankheiten auslösen, die insbesondere bei landwirtschaftlichen Nutztieren eine große wirtschaftliche Bedeutung haben. Drei veterinärmedizinisch besonders relevante Vertreter dieser Gattung sind das Bovine-Virus-Diarrhoe-Virus (BVDV), das Klassische-Schweinepest-Virus (KSPV) und das Border-Disease-Virus (BDV). Alle drei genannten Pestiviren sind antigenetisch und genetisch verwandt. Eine Differenzierung ist über spezifische diagnostische Verfahren möglich.

Im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung bzw. der amtlichen Tierseuchendiagnostik stehen insbesondere das BVDV und das KSPV als definierte Tierseuchenerreger im Fokus der Untersuchungen am LLBB.

Die Gattung Pestivirus gehört zur Virusfamilie der Flaviviridae. Die Vertreter dieser Gattung sind behüllte Einzelstrang-RNA-Viren mit positiver Polarität und einem Durchmesser von ca. 40–60 nm. Pestiviren können bei Wiederkäuern und Schweinen Krankheiten auslösen, die insbesondere bei landwirtschaftlichen Nutztieren eine große wirtschaftliche Bedeutung haben. Drei veterinärmedizinisch besonders relevante Vertreter dieser Gattung sind das Bovine-Virus-Diarrhoe-Virus (BVDV), das Klassische-Schweinepest-Virus (KSPV) und das Border-Disease-Virus (BDV). Alle drei genannten Pestiviren sind antigenetisch und genetisch verwandt. Eine Differenzierung ist über spezifische diagnostische Verfahren möglich.

Im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung bzw. der amtlichen Tierseuchendiagnostik stehen insbesondere das BVDV und das KSPV als definierte Tierseuchenerreger im Fokus der Untersuchungen am LLBB.

Bovine Virusdiarrhoe (BVD) / Mucosal ­Disease (MD)

Die BVD ist eine erstmals 1946 in den USA beschriebene, weltweit verbreitete Rinderkrankheit. Infektionen mit dem BVDV können symptomfrei verlaufen, aber auch zu schwerwiegendem Durchfall, Läsionen des Magen-Darm-Trakts, respiratorischen Symptomen und Fruchtbarkeitsstörungen führen. Die Übertragung erfolgt über Kot und Speichel von Tier zu Tier oder auch durch den Samen infizierter Bullen.

Besonderes Augenmerk liegt auf der diaplazentaren Übertragung des Virus. Infiziert sich ein trächtiges Rind, kann dies zu Abort, Totgeburt oder Missbildung führen, es kann aber auch zur Geburt eines persistent infizierten Kalbs (PI-Tier) kommen. PI-Kälber scheiden das Virus ein Leben lang in großen Mengen aus und stellen somit ein bedeutendes Virusreservoir dar. Erkranken diese Tiere an der sogenannten Mucosal Disease (MD), einer besonders schweren klinischen Form, verläuft diese meist tödlich.

Die Diagnostik der BVD erfolgt gemäß der Amtlichen Methodensammlung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Um Virusausscheider (PI-Tiere) möglichst früh zu erkennen, wird der direkte Virusnachweis bei Kälbern aus Ohrstanzproben bzw. im Einzelfall (Nachuntersuchung) aus Blutproben durchgeführt. Die Ohrstanzproben (Bioptate) werden direkt bei der Kennzeichnung der Rinder (Einziehen der Ohrmarken im Lauf der ersten Lebenstage) gewonnen und im Antigen-ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay)) auf die Präsenz des Tierseuchenerregers untersucht. Blutproben werden hauptsächlich zur Nachuntersuchung eingesetzt, hierbei kommen je nach Alter der Tiere die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder ebenfalls der Antigen-ELISA zum Einsatz. Für besondere Fragestellungen kann das Virus auf bovinen Zellkulturen mit anschließender Immunfärbung angezüchtet und detektiert werden. Der Nachweis von BVDV-Antikörpern (indirekter Virusnachweis) kann aus Blut- oder Milchproben durchgeführt werden. Hierzu werden der ELISA zum Nachweis spezifischer Antikörper und bei speziellen Fragestellungen auch ein Neutralisationstest (neutralising peroxidase-linked assay (NPLA)) eingesetzt.

Nach wie vor ist die sogenannte Ohrstanzdiagnostik das wichtigste Instrument, um PI-Tiere frühzeitig zu detektieren. Die Untersuchung auf BVD-Antigen ist seit 2011 verpflichtend für alle Tierhalter und basiert auf der Grundlage der BVD-Verordnung. Die BVD-Diagnostik mittels virologischer Einzeltieruntersuchung hat in den letzten zwölf Jahren insgesamt sehr gute Erfolge erzielen können – das Land Brandenburg gilt als BVD-freie Region (siehe auch Fachbeitrag „10 Jahre BVDV-Ohrstanzendiagnostik: eine Erfolgsgeschichte“ im Jahresbericht 2020). 2022 wurden 204.313 Ohrstanzproben untersucht, keine dieser Proben war positiv. Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir uns derzeit in der Endphase der Sanierung befinden und es notwendig ist, die Überwachung zur Aufrechterhaltung des BVD-Status zu überdenken und ggf. künftig mittels serologischer Bestandsuntersuchungen umzusetzen.

Tabelle: Proben- und Untersuchungszahlen der Ohrstanzdiagnostik 2020 - 2022 im LLBB

Jahr Anzahl Proben nicht untersuchte Proben untersuchte Proben positiv und fraglich
2020 221.638 1.685 219.953 0
2021 212.418 1.264 211.154 1
2022 205.706 1.393 204.313 0

Anmerkung: Bei den nicht untersuchten Proben handelte es sich zum überwiegenden Teil um Leerproben (kein ausreichend großes Gewebestück für Untersuchung vorhanden). Fehlerhafte oder defekte Einsendungen (falsches Unterteil, ohne Unterteil, defekte Probenbehälter o. Ä.) führten ebenfalls zu nicht untersuchten Proben, da sie nicht eineindeutig zuordenbar sind.

Ab 2023 sollen in Brandenburg alle im Rahmen der Überwachungsuntersuchung auf BHV1 zu untersuchenden Rinder zusätzlich auch auf BVDV-Antikörper untersucht werden (Durchführung diagnostischer Maßnahmen in der BVD-Überwachung; Erlass des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz vom 18.11.2022). Diese Untersuchungen werden im LLBB sowohl in Blut- als auch in Milchproben durchgeführt und sollen die Grundlage für ein zukünftiges Überwachungsprogramm legen.

Die BVD ist eine erstmals 1946 in den USA beschriebene, weltweit verbreitete Rinderkrankheit. Infektionen mit dem BVDV können symptomfrei verlaufen, aber auch zu schwerwiegendem Durchfall, Läsionen des Magen-Darm-Trakts, respiratorischen Symptomen und Fruchtbarkeitsstörungen führen. Die Übertragung erfolgt über Kot und Speichel von Tier zu Tier oder auch durch den Samen infizierter Bullen.

Besonderes Augenmerk liegt auf der diaplazentaren Übertragung des Virus. Infiziert sich ein trächtiges Rind, kann dies zu Abort, Totgeburt oder Missbildung führen, es kann aber auch zur Geburt eines persistent infizierten Kalbs (PI-Tier) kommen. PI-Kälber scheiden das Virus ein Leben lang in großen Mengen aus und stellen somit ein bedeutendes Virusreservoir dar. Erkranken diese Tiere an der sogenannten Mucosal Disease (MD), einer besonders schweren klinischen Form, verläuft diese meist tödlich.

Die Diagnostik der BVD erfolgt gemäß der Amtlichen Methodensammlung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Um Virusausscheider (PI-Tiere) möglichst früh zu erkennen, wird der direkte Virusnachweis bei Kälbern aus Ohrstanzproben bzw. im Einzelfall (Nachuntersuchung) aus Blutproben durchgeführt. Die Ohrstanzproben (Bioptate) werden direkt bei der Kennzeichnung der Rinder (Einziehen der Ohrmarken im Lauf der ersten Lebenstage) gewonnen und im Antigen-ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay)) auf die Präsenz des Tierseuchenerregers untersucht. Blutproben werden hauptsächlich zur Nachuntersuchung eingesetzt, hierbei kommen je nach Alter der Tiere die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder ebenfalls der Antigen-ELISA zum Einsatz. Für besondere Fragestellungen kann das Virus auf bovinen Zellkulturen mit anschließender Immunfärbung angezüchtet und detektiert werden. Der Nachweis von BVDV-Antikörpern (indirekter Virusnachweis) kann aus Blut- oder Milchproben durchgeführt werden. Hierzu werden der ELISA zum Nachweis spezifischer Antikörper und bei speziellen Fragestellungen auch ein Neutralisationstest (neutralising peroxidase-linked assay (NPLA)) eingesetzt.

Nach wie vor ist die sogenannte Ohrstanzdiagnostik das wichtigste Instrument, um PI-Tiere frühzeitig zu detektieren. Die Untersuchung auf BVD-Antigen ist seit 2011 verpflichtend für alle Tierhalter und basiert auf der Grundlage der BVD-Verordnung. Die BVD-Diagnostik mittels virologischer Einzeltieruntersuchung hat in den letzten zwölf Jahren insgesamt sehr gute Erfolge erzielen können – das Land Brandenburg gilt als BVD-freie Region (siehe auch Fachbeitrag „10 Jahre BVDV-Ohrstanzendiagnostik: eine Erfolgsgeschichte“ im Jahresbericht 2020). 2022 wurden 204.313 Ohrstanzproben untersucht, keine dieser Proben war positiv. Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir uns derzeit in der Endphase der Sanierung befinden und es notwendig ist, die Überwachung zur Aufrechterhaltung des BVD-Status zu überdenken und ggf. künftig mittels serologischer Bestandsuntersuchungen umzusetzen.

Tabelle: Proben- und Untersuchungszahlen der Ohrstanzdiagnostik 2020 - 2022 im LLBB

Jahr Anzahl Proben nicht untersuchte Proben untersuchte Proben positiv und fraglich
2020 221.638 1.685 219.953 0
2021 212.418 1.264 211.154 1
2022 205.706 1.393 204.313 0

Anmerkung: Bei den nicht untersuchten Proben handelte es sich zum überwiegenden Teil um Leerproben (kein ausreichend großes Gewebestück für Untersuchung vorhanden). Fehlerhafte oder defekte Einsendungen (falsches Unterteil, ohne Unterteil, defekte Probenbehälter o. Ä.) führten ebenfalls zu nicht untersuchten Proben, da sie nicht eineindeutig zuordenbar sind.

Ab 2023 sollen in Brandenburg alle im Rahmen der Überwachungsuntersuchung auf BHV1 zu untersuchenden Rinder zusätzlich auch auf BVDV-Antikörper untersucht werden (Durchführung diagnostischer Maßnahmen in der BVD-Überwachung; Erlass des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz vom 18.11.2022). Diese Untersuchungen werden im LLBB sowohl in Blut- als auch in Milchproben durchgeführt und sollen die Grundlage für ein zukünftiges Überwachungsprogramm legen.

Klassische Schweinepest

Peroxidase-gefärbte Pestivirus-infizierte Zellen

Der Erreger der Klassischen Schweinepest (KSP) ist ein typischer Vertreter der Gattung Pestivirus. Von der weltweit verbreiteten KSP sind sowohl Haus- als auch Wildschweine betroffen, wobei das Wildschwein hierbei als Virusreservoir anzusehen ist. Die KSP ist eine fieberhafte, hochkontagiöse Allgemeinerkrankung mit seuchenhaftem Verlauf und hohen Tierverlusten. Sie ist eine definierte Tierseuche und anzeigepflichtig. Die Übertragung des Virus erfolgt durch Exkrete und Sekrete von Schwein zu Schwein, aber auch über die Verfütterung kontaminierter Futtermittel sowie über kontaminierte Transportmittel, Geräte und Kleidung.

Das klinische Bild dieser Infektionskrankheit ist sehr unterschiedlich, oft auch unspezifisch und nur mild ausgeprägt. Grundsätzlich können verschiedene Verlaufsformen definiert werden: der akute Verlauf mit teilweise hohen Sterblichkeitsraten, der chronische Verlauf und ein eher subklinisch oder gar symptomloser Verlauf. Ähnlich wie beim BVDV stellt auch hier die diaplazentare Infektion einen besonderen Infektionsverlauf dar.

Deutschland gilt laut WOAH als „Frei von Klassischer Schweinepest“. Der letzte Ausbruch beim Hausschwein wurde 2006 in Nordrhein-Westfalen festgestellt, der letzte Ausbruch beim Wildschwein ereignete sich 2009, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen.

Zur Überwachung der Tierseuche und Aufrechterhaltung des Status werden seit Jahren serologische Monitoring-Untersuchungen in der Wildschweinpopulation und bei Hausschweinen durchgeführt (Verwaltungsvorschrift zur Verfahrensweise bei der Überwachung von Tierseuchen der Kategorien A, B und C; Erlass des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz vom 07.02.2022). Hierbei kommt vor allem der ELISA zum Nachweis virusspezifischer Antikörper zum Einsatz. Aufgrund der engen antigenetischen „Verwandtschaft“ der Pestiviren kann bei Bedarf eine eindeutige Differenzierung in der klassischen Serologie mittels NPLA erfolgen. Weiterhin werden regelmäßig Anlass-, Verdachts- oder Abklärungsuntersuchungen durchgeführt. So werden z. B. verendet aufgefundene Wildschweine virologisch mittels PCR und/oder klassischen virologischen Verfahren (Anzucht auf Zellkulturen) auf die Präsenz des Tierseuchenerregers untersucht.

Die Probenzahlen im Rahmen der serologischen Untersuchungen am LLBB zum indirekten Nachweis des KSPV der letzten drei Jahre sind in der Tabelle aufgelistet. Basis für die Probenumfänge bzw. den jährlichen Untersuchungsumfang für diese Überwachungsuntersuchungen beim Haus- und Wildschwein stellt die genannte Verwaltungsvorschrift Brandenburgs dar.

Tabelle: Untersuchungszahlen KSPV 2020 - 2022 im LLBB

Jahr Hausschwein Wildschwein
2020 1.497 8.726
2021 1.392 3.834
2022 1.341 3.847

Peroxidase-gefärbte Pestivirus-infizierte Zellen

Der Erreger der Klassischen Schweinepest (KSP) ist ein typischer Vertreter der Gattung Pestivirus. Von der weltweit verbreiteten KSP sind sowohl Haus- als auch Wildschweine betroffen, wobei das Wildschwein hierbei als Virusreservoir anzusehen ist. Die KSP ist eine fieberhafte, hochkontagiöse Allgemeinerkrankung mit seuchenhaftem Verlauf und hohen Tierverlusten. Sie ist eine definierte Tierseuche und anzeigepflichtig. Die Übertragung des Virus erfolgt durch Exkrete und Sekrete von Schwein zu Schwein, aber auch über die Verfütterung kontaminierter Futtermittel sowie über kontaminierte Transportmittel, Geräte und Kleidung.

Das klinische Bild dieser Infektionskrankheit ist sehr unterschiedlich, oft auch unspezifisch und nur mild ausgeprägt. Grundsätzlich können verschiedene Verlaufsformen definiert werden: der akute Verlauf mit teilweise hohen Sterblichkeitsraten, der chronische Verlauf und ein eher subklinisch oder gar symptomloser Verlauf. Ähnlich wie beim BVDV stellt auch hier die diaplazentare Infektion einen besonderen Infektionsverlauf dar.

Deutschland gilt laut WOAH als „Frei von Klassischer Schweinepest“. Der letzte Ausbruch beim Hausschwein wurde 2006 in Nordrhein-Westfalen festgestellt, der letzte Ausbruch beim Wildschwein ereignete sich 2009, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen.

Zur Überwachung der Tierseuche und Aufrechterhaltung des Status werden seit Jahren serologische Monitoring-Untersuchungen in der Wildschweinpopulation und bei Hausschweinen durchgeführt (Verwaltungsvorschrift zur Verfahrensweise bei der Überwachung von Tierseuchen der Kategorien A, B und C; Erlass des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz vom 07.02.2022). Hierbei kommt vor allem der ELISA zum Nachweis virusspezifischer Antikörper zum Einsatz. Aufgrund der engen antigenetischen „Verwandtschaft“ der Pestiviren kann bei Bedarf eine eindeutige Differenzierung in der klassischen Serologie mittels NPLA erfolgen. Weiterhin werden regelmäßig Anlass-, Verdachts- oder Abklärungsuntersuchungen durchgeführt. So werden z. B. verendet aufgefundene Wildschweine virologisch mittels PCR und/oder klassischen virologischen Verfahren (Anzucht auf Zellkulturen) auf die Präsenz des Tierseuchenerregers untersucht.

Die Probenzahlen im Rahmen der serologischen Untersuchungen am LLBB zum indirekten Nachweis des KSPV der letzten drei Jahre sind in der Tabelle aufgelistet. Basis für die Probenumfänge bzw. den jährlichen Untersuchungsumfang für diese Überwachungsuntersuchungen beim Haus- und Wildschwein stellt die genannte Verwaltungsvorschrift Brandenburgs dar.

Tabelle: Untersuchungszahlen KSPV 2020 - 2022 im LLBB

Jahr Hausschwein Wildschwein
2020 1.497 8.726
2021 1.392 3.834
2022 1.341 3.847