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Rustrela-Virus-Infektion: Eine neue „Kängurukrankheit“?!

Kängurus gehören zum regelmäßigen, wenn auch seltenen, Sektionsgut in der Pathologie des LLBB. Eine der mit Abstand am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen ist dabei die sogenannte Lumpy Jaw Disease, auch „Kängurukrankheit“ genannt. Diese nekrotisierende Kieferentzündung (Osteomyelitis) entwickelt sich aus Verletzungen in der Maulschleimhaut, die durch verschiedene opportunistische Bakterien (i. d. R. Mischinfektionen unter Beteiligung von Fusobacterium necrophorum) besiedelt werden. Klinisch können die betroffenen Tiere durch Apathie (Schwäche, Absonderung von der Gruppe), Anorexie (Appetitlosigkeit/Futterverweigerung) und neurologische Symptome wie Kopfschiefhaltung auffallen. Unbehandelt führt die Erkrankung in Folge der Auflösung des Kieferknochens (Osteolyse) bzw. der Absiedlung von Bakterien in den Gesamtorganismus (Sepsis) zum Tod der Tiere.

Im Jahr 2020 wurde erstmals von einem Känguru aus einem Zoo in Norddeutschland berichtet, das klinisch durch neurologische Symptome aufgefallen und kurze Zeit später verendet war. Histologisch zeigte das Tier eine nichteitrige Enzephalitis (Gehirnentzündung), durch weiterführende Untersuchungen konnte eine Infektion mit dem Rustrela-Virus (RusV) nachgewiesen werden. Neben dem Känguru erkrankten und starben (im selben Zoo) auch ein Esel und ein Wasserschwein mit vergleichbaren histologischen Befunden und ebenfalls dem intraläsionalen Nachweis von RusV-Partikeln im Gehirn.

Kängurus gehören zum regelmäßigen, wenn auch seltenen, Sektionsgut in der Pathologie des LLBB. Eine der mit Abstand am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen ist dabei die sogenannte Lumpy Jaw Disease, auch „Kängurukrankheit“ genannt. Diese nekrotisierende Kieferentzündung (Osteomyelitis) entwickelt sich aus Verletzungen in der Maulschleimhaut, die durch verschiedene opportunistische Bakterien (i. d. R. Mischinfektionen unter Beteiligung von Fusobacterium necrophorum) besiedelt werden. Klinisch können die betroffenen Tiere durch Apathie (Schwäche, Absonderung von der Gruppe), Anorexie (Appetitlosigkeit/Futterverweigerung) und neurologische Symptome wie Kopfschiefhaltung auffallen. Unbehandelt führt die Erkrankung in Folge der Auflösung des Kieferknochens (Osteolyse) bzw. der Absiedlung von Bakterien in den Gesamtorganismus (Sepsis) zum Tod der Tiere.

Im Jahr 2020 wurde erstmals von einem Känguru aus einem Zoo in Norddeutschland berichtet, das klinisch durch neurologische Symptome aufgefallen und kurze Zeit später verendet war. Histologisch zeigte das Tier eine nichteitrige Enzephalitis (Gehirnentzündung), durch weiterführende Untersuchungen konnte eine Infektion mit dem Rustrela-Virus (RusV) nachgewiesen werden. Neben dem Känguru erkrankten und starben (im selben Zoo) auch ein Esel und ein Wasserschwein mit vergleichbaren histologischen Befunden und ebenfalls dem intraläsionalen Nachweis von RusV-Partikeln im Gehirn.

Nichteitrige Enzephalitis bei einem Bennett-Känguru, HE-Färbung
Nichteitrige Enzephalitis bei einem Bennett-Känguru, HE-Färbung
Nachweis von RusV-Partikeln mittels In-situ-Hybridisierung in neuronalen Zellen des Gehirns eines infizierten Bennett-Kängurus
Nachweis von RusV-Partikeln mittels In-situ-Hybridisierung in neuronalen Zellen des Gehirns eines infizierten Bennett-Kängurus
Nachweis von RusV-Partikeln mittels In-situ-Hybridisierung in neuronalen Zellen des Gehirns eines infizierten Bennett-Kängurus
Nachweis von RusV-Partikeln mittels In-situ-Hybridisierung in neuronalen Zellen des Gehirns eines infizierten Bennett-Kängurus
RT-qPCR zum Nachweis der RusV-Infektion; rot: Positivkontrolle; blau: infiziertes Bennett-Känguru

Beim Rustrela-Virus handelt es sich um einen neu entdeckten Verwandten des Rubella-Virus (RuV), dem Erreger der humanen Rötelninfektion. Beide Viren gehören zur Familie der Togaviridae und weisen eine einzelsträngige RNA mit positiver Polarität auf. Im Gegensatz zum Rötelnvirus, bei dem kein tierisches Reservoir bekannt ist (das also nur von Mensch zu Mensch übertragen wird), wurde RusV bei Umgebungsuntersuchungen in und um den oben genannten Zoo auch bei Gelbhalsmäusen nachgewiesen. Hier allerdings in geringer Menge in verschiedenen peripheren Organen und ohne Enzephalitis. Diese Befunde sprechen dafür, dass es sich bei der Gelbhalsmaus um ein natürliches Reservoir des RusV handeln könnte. Gelbhalsmäuse sind allesfressende Nagetiere, die sowohl in Europa als auch in Asien verschiedenste Habitate bewohnen: von Wäldern über Felder bis hin zur Umgebung von menschlichen Behausungen. Ebenfalls bekannt ist, dass die Tiere Überträger anderer zoonotischer Viren wie beispielsweise des Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder des Hepatitis-E-Virus sind. Der Nachweis von RusV in den Ausscheidungen dieser Mäuse und die weithin bekannte beständige Anwesenheit von Schadnagern in zoologischen Einrichtungen ließ schon vermuten, dass der oben beschriebene Fall kein singuläres Ereignis bleiben würde.

So war die Diagnose nichteitrige Meningoenzephalitis bei dem im September 2021 im LLBB untersuchten Bennett-Känguru nicht wirklich überraschend. Die am Institut für Virusdiagnostik des FLI (Insel Riems) durchgeführten Bestätigungsuntersuchungen mittels RT-qPCR brachten im Oktober 2021 Gewissheit. Das aus einem Tierpark im Nordwesten Brandenburgs stammende Tier erlag einer RusV-Infektion.

RT-qPCR zum Nachweis der RusV-Infektion; rot: Positivkontrolle; blau: infiziertes Bennett-Känguru

Beim Rustrela-Virus handelt es sich um einen neu entdeckten Verwandten des Rubella-Virus (RuV), dem Erreger der humanen Rötelninfektion. Beide Viren gehören zur Familie der Togaviridae und weisen eine einzelsträngige RNA mit positiver Polarität auf. Im Gegensatz zum Rötelnvirus, bei dem kein tierisches Reservoir bekannt ist (das also nur von Mensch zu Mensch übertragen wird), wurde RusV bei Umgebungsuntersuchungen in und um den oben genannten Zoo auch bei Gelbhalsmäusen nachgewiesen. Hier allerdings in geringer Menge in verschiedenen peripheren Organen und ohne Enzephalitis. Diese Befunde sprechen dafür, dass es sich bei der Gelbhalsmaus um ein natürliches Reservoir des RusV handeln könnte. Gelbhalsmäuse sind allesfressende Nagetiere, die sowohl in Europa als auch in Asien verschiedenste Habitate bewohnen: von Wäldern über Felder bis hin zur Umgebung von menschlichen Behausungen. Ebenfalls bekannt ist, dass die Tiere Überträger anderer zoonotischer Viren wie beispielsweise des Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder des Hepatitis-E-Virus sind. Der Nachweis von RusV in den Ausscheidungen dieser Mäuse und die weithin bekannte beständige Anwesenheit von Schadnagern in zoologischen Einrichtungen ließ schon vermuten, dass der oben beschriebene Fall kein singuläres Ereignis bleiben würde.

So war die Diagnose nichteitrige Meningoenzephalitis bei dem im September 2021 im LLBB untersuchten Bennett-Känguru nicht wirklich überraschend. Die am Institut für Virusdiagnostik des FLI (Insel Riems) durchgeführten Bestätigungsuntersuchungen mittels RT-qPCR brachten im Oktober 2021 Gewissheit. Das aus einem Tierpark im Nordwesten Brandenburgs stammende Tier erlag einer RusV-Infektion.

Durch den regelmäßigen kollegialen Austausch zwischen den verschiedenen pathologischen Untersuchungseinrichtungen, auch über die Landesgrenzen hinweg, wurde schnell klar, dass das RusV inzwischen an verschiedenen Orten in Nordostdeutschland nachgewiesen werden konnte (Veröffentlichung in Vorbereitung). Vornehmlich scheinen dabei Bennett-Kängurus zu erkranken, die durch akut einsetzende neurologische Symptome wie Ataxie, Apathie, Taumeln, Krampfen, Ruderbewegungen oder Festliegen auffallen. Sterben die Tiere nicht perakut, werden sie aufgrund ihrer infausten Prognose euthanasiert.

In Zukunft gehört also eine Infektion mit RusV auf die Liste ätiologischer Differenzialdiagnosen bei Tieren mit neurologischer Anamnese bzw. unklaren Todesfällen. Denn wie der Esel und das Wasserschwein gezeigt haben, scheint das Bennett-Känguru nicht die einzig mögliche Tierart mit Enzephalitis infolge einer RusV-Infektion zu sein.

Literatur:

Bennett A. J. et al. (2020): Relatives of rubella virus in diverse mammals, Nature, 2020 Oct, 586 (7.829): 424–428

Durch den regelmäßigen kollegialen Austausch zwischen den verschiedenen pathologischen Untersuchungseinrichtungen, auch über die Landesgrenzen hinweg, wurde schnell klar, dass das RusV inzwischen an verschiedenen Orten in Nordostdeutschland nachgewiesen werden konnte (Veröffentlichung in Vorbereitung). Vornehmlich scheinen dabei Bennett-Kängurus zu erkranken, die durch akut einsetzende neurologische Symptome wie Ataxie, Apathie, Taumeln, Krampfen, Ruderbewegungen oder Festliegen auffallen. Sterben die Tiere nicht perakut, werden sie aufgrund ihrer infausten Prognose euthanasiert.

In Zukunft gehört also eine Infektion mit RusV auf die Liste ätiologischer Differenzialdiagnosen bei Tieren mit neurologischer Anamnese bzw. unklaren Todesfällen. Denn wie der Esel und das Wasserschwein gezeigt haben, scheint das Bennett-Känguru nicht die einzig mögliche Tierart mit Enzephalitis infolge einer RusV-Infektion zu sein.

Literatur:

Bennett A. J. et al. (2020): Relatives of rubella virus in diverse mammals, Nature, 2020 Oct, 586 (7.829): 424–428