Kleine Beere, große Verwirrung – Heidelbeeren und ihre Artenvielfalt
Dem LLBB wurde Anfang 2021 eine Beschwerdeprobe tiefgekühlter Heidelbeeren vorgelegt. Diese waren als „Heidelbeeren“ bzw. „Wildheidelbeeren“ bezeichnet. Aufgrund dieser Bezeichnung ist man im Privathaushalt davon ausgegangen, dass es sich um kleine, wild gewachsene Heidelbeerfrüchte handelt. Beim Öffnen der Packung wurde jedoch festgestellt, dass die Früchte vergleichsweise groß waren. Daher vermutete man wider Erwarten, Kulturheidelbeeren gekauft zu haben. Angestoßen durch die Recherchen zur Beurteilung dieser Beschwerdeprobe hat das Landeslabor im Jahr 2021 eine Methode zur Differenzierung von Früchten verschiedener Arten der Pflanzengattung Heidelbeeren (Vaccinium L.) entwickelt (Kaufmann et al. 2022).
Nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs für Obsterzeugnisse werden tiefgekühlte Heidelbeeren und Heidelbeerkonserven nur dann mit der Bezeichnung „Heidelbeeren“, „Waldheidelbeeren“ oder „Blaubeeren“ in den Verkehr gebracht, wenn diese aus den Früchten der Waldheidelbeere Vaccinium myrtillus L. hergestellt wurden. Bei Verwendung von Heidelbeeren der Art Vaccinium corymbosum L. lautet die Bezeichnung „Kulturheidelbeeren“.
Die Leitsätze spiegeln die Vielfalt der verschiedenen Heidelbeerarten jedoch nur rudimentär wider. Neben den Arten Vaccinium myrtillus L. und Vaccinium corymbosum L. gibt es eine Reihe von anderen Heidelbeerarten mit wirtschaftlicher Bedeutung, die sowohl wild wachsen als auch kulturell angebaut werden können (Kaufmann et al. 2022). Folgende Tatsache geht jedoch aus den Leitsätzen klar hervor: Die Verbraucher*innen können berechtigterweise erwarten, dass es sich bei tiefgefrorenen Heidelbeeren bzw. Heidelbeerkonserven mit der Bezeichnung „Heidelbeeren“ oder gar „Waldheidelbeeren“ um Früchte der Art Vaccinium myrtillus L. handelt.
Zur Beurteilung der tiefgefrorenen Heidelbeeren der Beschwerdeprobe wurden in erster Linie die visuellen Merkmale der Beerenfrüchte herangezogen. So ist das Fruchtfleisch der Waldheidelbeere Vaccinium myrtillus L. in der Regel tiefblau (Nestby et al. 2011). Und während die Früchte der Wildformen aller wirtschaftlich bedeutenden Vaccinium-Arten ähnliche Größenverteilungen von im Mittel 8 mm Durchmesser aufweisen (Vander Kloet 1988), können die Früchte kulturell angebauter amerikanischer Heidelbeeren auch einen Durchmesser von mehr als 1 cm erreichen. Das Fruchtfleisch der betreffenden Heidelbeerprobe war überwiegend hellgrünlich, und die Beeren hatten einen Durchmesser von bis zu 15 mm. Diese makroskopisch gut erkennbaren Eigenschaften der Beeren deuteten darauf hin, dass es sich tatsächlich nicht um Heidelbeeren der Art Vaccinium myrtillus L. handelte und damit die Bezeichnung „Heidelbeeren“ auf dieses Erzeugnis nicht zutraf.
Sobald die Früchte mit ursprünglich farblosem Fruchtfleisch jedoch aufgetaut oder zu Konserven verarbeitet werden, nimmt deren Fruchtfleisch die rot-violette Farbe der Schale an. Somit kann dieses Merkmal nur eingeschränkt zur Differenzierung von Heidelbeeren herangezogen werden. Vor diesem Hintergrund wurde im LLBB eine MALDI-ToF-MS-Methode zur Differenzierung verschiedener Heidelbeerarten erarbeitet. Diese erlaubt es, analytisch fundiert zwischen Früchten der Art Vaccinium myrtillus L. und den Früchten anderer Heidelbeerarten zu unterscheiden.
Nach Etablierung dieser MALDI-ToF-MS-Methode (siehe Beitrag „MALDI-ToF-MS zur Authentizitätsprüfung pflanzlicher Lebensmittel“) wurde im Jahr 2021 u. a. die Kennzeichnung von zwei tiefgefrorenen Heidelbeeren und acht Heidelbeerkonserven auf Basis der Ergebnisse dieser Untersuchungen bewertet.
Die beiden Proben tiefgefrorener Heidelbeeren waren unter der Bezeichnung „Heidelbeeren“ im Verkehr. Bei der Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei beiden Proben nicht um Beeren der Art Vaccinium myrtillus L. handelte. Unter Berücksichtigung der Gesamtaufmachung wurde die Bezeichnung beider Proben als nichtzutreffend bzw. irreführend beurteilt.
Die acht Heidelbeerkonserven waren alle unter der Bezeichnung „Waldheidelbeeren“ im Verkehr. Bei den Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass lediglich eine dieser Konserven tatsächlich aus Früchten der Art Vaccinium myrtillus L. hergestellt wurde. Alle anderen Proben enthielten keine „Waldheidelbeeren“, sondern Früchte einer anderen Heidelbeerart.
Literatur:
Kaufmann M., Wagner L., Lange F., Zur K., Huder L., Schwarz K., Bergmann M. (2022): Heidelbeeren – Blaubeeren oder blaue Beeren? Deutsche Lebensmittel-Rundschau (DLR), 118(4): 138–150
Nestby R., Percival D., Martinussen I., Opstad N., Rohloff J. (2011): The European blueberry (Vaccinium myrtillus L.) and the potential for cultivation. A review. Eur J Plant Sci Biotechnol, 2011, 5(1): 5–16
Vander Kloet S. P. (1988): The Genus Vaccinium in North America. Agriculture and Agri-Food Canada, Ottawa – Ontario0
Dem LLBB wurde Anfang 2021 eine Beschwerdeprobe tiefgekühlter Heidelbeeren vorgelegt. Diese waren als „Heidelbeeren“ bzw. „Wildheidelbeeren“ bezeichnet. Aufgrund dieser Bezeichnung ist man im Privathaushalt davon ausgegangen, dass es sich um kleine, wild gewachsene Heidelbeerfrüchte handelt. Beim Öffnen der Packung wurde jedoch festgestellt, dass die Früchte vergleichsweise groß waren. Daher vermutete man wider Erwarten, Kulturheidelbeeren gekauft zu haben. Angestoßen durch die Recherchen zur Beurteilung dieser Beschwerdeprobe hat das Landeslabor im Jahr 2021 eine Methode zur Differenzierung von Früchten verschiedener Arten der Pflanzengattung Heidelbeeren (Vaccinium L.) entwickelt (Kaufmann et al. 2022).
Nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs für Obsterzeugnisse werden tiefgekühlte Heidelbeeren und Heidelbeerkonserven nur dann mit der Bezeichnung „Heidelbeeren“, „Waldheidelbeeren“ oder „Blaubeeren“ in den Verkehr gebracht, wenn diese aus den Früchten der Waldheidelbeere Vaccinium myrtillus L. hergestellt wurden. Bei Verwendung von Heidelbeeren der Art Vaccinium corymbosum L. lautet die Bezeichnung „Kulturheidelbeeren“.
Die Leitsätze spiegeln die Vielfalt der verschiedenen Heidelbeerarten jedoch nur rudimentär wider. Neben den Arten Vaccinium myrtillus L. und Vaccinium corymbosum L. gibt es eine Reihe von anderen Heidelbeerarten mit wirtschaftlicher Bedeutung, die sowohl wild wachsen als auch kulturell angebaut werden können (Kaufmann et al. 2022). Folgende Tatsache geht jedoch aus den Leitsätzen klar hervor: Die Verbraucher*innen können berechtigterweise erwarten, dass es sich bei tiefgefrorenen Heidelbeeren bzw. Heidelbeerkonserven mit der Bezeichnung „Heidelbeeren“ oder gar „Waldheidelbeeren“ um Früchte der Art Vaccinium myrtillus L. handelt.
Zur Beurteilung der tiefgefrorenen Heidelbeeren der Beschwerdeprobe wurden in erster Linie die visuellen Merkmale der Beerenfrüchte herangezogen. So ist das Fruchtfleisch der Waldheidelbeere Vaccinium myrtillus L. in der Regel tiefblau (Nestby et al. 2011). Und während die Früchte der Wildformen aller wirtschaftlich bedeutenden Vaccinium-Arten ähnliche Größenverteilungen von im Mittel 8 mm Durchmesser aufweisen (Vander Kloet 1988), können die Früchte kulturell angebauter amerikanischer Heidelbeeren auch einen Durchmesser von mehr als 1 cm erreichen. Das Fruchtfleisch der betreffenden Heidelbeerprobe war überwiegend hellgrünlich, und die Beeren hatten einen Durchmesser von bis zu 15 mm. Diese makroskopisch gut erkennbaren Eigenschaften der Beeren deuteten darauf hin, dass es sich tatsächlich nicht um Heidelbeeren der Art Vaccinium myrtillus L. handelte und damit die Bezeichnung „Heidelbeeren“ auf dieses Erzeugnis nicht zutraf.
Sobald die Früchte mit ursprünglich farblosem Fruchtfleisch jedoch aufgetaut oder zu Konserven verarbeitet werden, nimmt deren Fruchtfleisch die rot-violette Farbe der Schale an. Somit kann dieses Merkmal nur eingeschränkt zur Differenzierung von Heidelbeeren herangezogen werden. Vor diesem Hintergrund wurde im LLBB eine MALDI-ToF-MS-Methode zur Differenzierung verschiedener Heidelbeerarten erarbeitet. Diese erlaubt es, analytisch fundiert zwischen Früchten der Art Vaccinium myrtillus L. und den Früchten anderer Heidelbeerarten zu unterscheiden.
Nach Etablierung dieser MALDI-ToF-MS-Methode (siehe Beitrag „MALDI-ToF-MS zur Authentizitätsprüfung pflanzlicher Lebensmittel“) wurde im Jahr 2021 u. a. die Kennzeichnung von zwei tiefgefrorenen Heidelbeeren und acht Heidelbeerkonserven auf Basis der Ergebnisse dieser Untersuchungen bewertet.
Die beiden Proben tiefgefrorener Heidelbeeren waren unter der Bezeichnung „Heidelbeeren“ im Verkehr. Bei der Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei beiden Proben nicht um Beeren der Art Vaccinium myrtillus L. handelte. Unter Berücksichtigung der Gesamtaufmachung wurde die Bezeichnung beider Proben als nichtzutreffend bzw. irreführend beurteilt.
Die acht Heidelbeerkonserven waren alle unter der Bezeichnung „Waldheidelbeeren“ im Verkehr. Bei den Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass lediglich eine dieser Konserven tatsächlich aus Früchten der Art Vaccinium myrtillus L. hergestellt wurde. Alle anderen Proben enthielten keine „Waldheidelbeeren“, sondern Früchte einer anderen Heidelbeerart.
Literatur:
Kaufmann M., Wagner L., Lange F., Zur K., Huder L., Schwarz K., Bergmann M. (2022): Heidelbeeren – Blaubeeren oder blaue Beeren? Deutsche Lebensmittel-Rundschau (DLR), 118(4): 138–150
Nestby R., Percival D., Martinussen I., Opstad N., Rohloff J. (2011): The European blueberry (Vaccinium myrtillus L.) and the potential for cultivation. A review. Eur J Plant Sci Biotechnol, 2011, 5(1): 5–16
Vander Kloet S. P. (1988): The Genus Vaccinium in North America. Agriculture and Agri-Food Canada, Ottawa – Ontario0