Blaubeeren oder blaue Beeren?
- Erschienen amKaufmann M., Schwarz K. J., Dallmann A.*, Kuballa T.*, Bergmann M.
NMR-spektroskopische Untersuchungen an Bier
Vortrag im Rahmen der Fachtagung "Praktische Probleme der NMR-Spektroskopie 2022" an der TU Berlin, 09. – 10.03.2022
Eine durch eine Verbraucherbeschwerde angestoßene Recherche zum Thema „Heidelbeeren“ zeigte auf, dass Früchte der schmalblättrigen Heidelbeere (Vaccinium angustifolium AITON) und der kanadischen Heidelbeere (Vaccinium myrtilloides MICHAUX) – insbesondere in verarbeitetem Zustand – bereits seit vielen Jahren nach Deutschland importiert werden. Im Widerspruch dazu sind auf dem deutschen Markt unserer Kenntnis nach derzeit allerdings kaum Lebensmittel in Verkehr, deren Kennzeichnung ausdrücklich darüber informiert, dass entsprechende Beeren als Zutat enthalten sind. Zudem sind Importe verarbeiteter Waldheidelbeeren (Vaccinium myrtillus L.) (KN-Code: 0811 90 50) etwa aus Südamerika zu verzeichnen. Das ist bemerkenswert, da das Vorkommen entsprechender Pflanzen ausschließlich auf die nördliche Hemisphäre beschränkt ist. Gleichzeitig sind die betreffenden Herkunftsländer – allem voran Peru und Chile – für ihren Anbau und Export von Kultur-Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum L.) bekannt.
Da die Importlage folglich einerseits nicht gänzlich plausibel ist und andererseits nicht mit der gemäß Lebensmittelkennzeichnung vorherrschenden Marktsituation in Deutschland in Einklang zu stehen scheint, haben die Mitarbeitenden des Zentrums für Authentizität im Landeslabor Berlin-Brandenburg eine MALDI-ToF-MS (matrix assisted LASER desorption ionization time-of-flight mass spectrometry) basierte Methode zur Differenzierung von Früchten verschiedener Pflanzenarten der Gattung Vaccinium L. entwickelt und diese zur Analyse von Proben der amtlichen Lebensmittelüberwachung mit der Zutat „Heidelbeeren“ genutzt. Dabei wurde festgestellt, dass die Kennzeichnung vieler der untersuchten Proben nicht im Einklang mit den Analyseergebnissen steht.