Kreuzkräuter in Grünfutter: Wie hoch ist die Belastung mit Pyrrolizidinalkaloiden?
- Erschienen amBrüning D., Ronczka S., Schütz A., Kurz J.
Kreuzkräuter in Grünfutter: Wie hoch ist die Belastung mit Pyrrolizidinalkaloiden?
VDLUFA-Mitteilungen 01/2023, S. 22-24
Gelb blühende Wiesen und Weiden mögen zwar für den Betrachter und so manche Biene ansehnlich und interessant erscheinen, bergen aber unter Umständen ein Vergiftungsrisiko, wenn es sich um Kreuzkräuter handelt. Diese haben sich in den letzten Jahren zunehmend auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebreitet und können zum Problem für Nutztiere werden, da sie toxische Inhaltsstoffe, die so genannten Pyrrolizidinalkaloide, enthalten. Werden Kreuzkräuter durch weidende Tiere, wie zum Beispiel Pferde, aufgenommen, kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Dazu gehören insbesondere Leberfunktionsstörungen. Aber auch Rinder und in geringerem Maße Ziegen und Schafe reagieren sensibel [1]. In Tierversuchen konnten erbgutverändernde und krebsauslösende Wirkungen nachgewiesen werden [2]. Ein Übergang der Pyrrolizidinalkaloide in Milch wurde anhand von Transferversuchen ebenfalls belegt [3]. Zu den häufig vorkommenden Kreuzkräutern gehört das heimische Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) und der Neophyt Frühlingskreuzkraut (Senecio vernalis, Abb. 1). Das Jakobskreuzkraut weist einen Alkaloidgehalt von etwa 0,2 % in der Trockenmasse auf und wird deshalb als sehr stark giftig eingestuft. Aufgenommene Pyrrolizidinalkaloide werden vom Körper nicht ausgeschieden, sondern im Körper, vornehmlich in der Leber, akkumuliert. Als Problem hat sich herausgestellt, dass einige Pyrrolizidinalkaloide sowohl nach Trocknung als auch nach Konservierung, also im Heu und Silage, erhalten bleiben und nicht an Toxizität verlieren [1, 4].
Literatur
[1] MLUL – Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (2017): Umgang mit Kreuzkräutern. Informationsbroschüre, 1. Auflage 2017
[2] Fu P.P., Xia Q., Lin G., Chou M.W. (2004): Pyrrolizidine alkaloids - genotoxicity, metabolism enzymes, metabolic activation, and mechanisms. Drug Metabolism Reviews, 2004, 36: 1-55
[3] Mulder, P.P.J., Klijnstra, M.D., Goselink, R.M.A., van Vuuren, A.D.M. Cone, J.W., Stoopen, G., Hogenboom, L.A.P. (2020): Transfer of pyrrolizidine alkaloids from ragwort, common groundsel and viper’s bugloss to milk from dairy cows. Food Additives and Contaminants: Part A 2020, 37: 1906-1921
[4] Klevenhusen, F., These, A., Tänzer, J., Weiß, K., Pieper, R. (2022): Effects of ensiling conditions on pyrrolizidine alkaloid degradation in silages mixed with two different Senecio spp. Archives of Animal Nutrition, 2022, 76: 93-111